Detailinformationen: Kriege und offene Interventionen regulärer US-amerikanischer Militäreinheiten seit 1946
Quelle: http://www.gsoa.ch/krieg/terror/us45.htm
Zusammenstellung: Hans Hartmann, November 2001*
Alles sei anders, nach diesem 11. September 2001, wird allenthalben behauptet. Stimmt das wirklich? Nicht wenn es um den Einsatz von Gewalt in der internationalen Politik geht! Die Diskurse und Begründungen mögen sich ändern, wenn auch nicht sehr. Zur Zeit, führt die USA den Krieg gegen das Böse in Person des Terroristen Osama Bin Laden. Namen, Ziele und Opfer wechseln; leidtragend ist heute die Zivilbevölkerung in Afghanistan. Aber das Konzept bleibt sich (wie dasjenige ihrer «kleinen» europäischen Partner Grossbritannien, Frankreich und wieder Deutschland, sowie ihrer Konkurrenten Russland und China) gleich: Militärische Mittel werden eingesetzt, um
1. die Reichtümer dieser Welt für die Interessen der amerikanischen Multis zu öffnen und zu sichern;
2. um politische Hegemonie über immer neue Zonen der Weltökonomie zu gewinnen;
3. um die Bedürfnisse der einheimischen Rüstungsindustrie zu befriedigen;
4. um die Entstehung alternativer nicht-kapitalistischer gesellschaftlicher Modelle zu verhindern.
Die folgende, möglicherweise unvollständige Liste von 94 Kriegen und offenen Militär-Interventionen der USA in beziehungsweise gegen 56 verschiedene Länder schliesst nicht mit ein:
• Schon bestehende, permanente Stationierung von Militärpersonal auf fremdem Territorium1;
• Routine-Militärmanöver;
• Stärkedemonstrationen der US-Marine (feindselige Off-Shore-Flottenaufmärsche, Hafen-Besuche);
• Atomare Erstschlagdrohungen;
• Einsätze von US-Piloten auf fremden Flugzeugen;
• Unterstützung befreundeter kriegsführender Nationen mit Satellitendaten u.ä. (z.B. Grossbritannien m Falkland-Krieg);
• Einsätze von Militärbeobachtern in multinationalen Überwachungsoperationen;
• Einsätze zur Minenräumung, zur militärischen Katastrophenhilfe und vergleichbare Hilfsoperationen, sofern sie nicht direkt mit Kampfoperationen oder der Übernahme der öffentlichen Gewalt verknüpft verknüpft sind (z.B. Luftbrücke Berlin, 1948-49);
• Einsätze der US-Armee im Innern (z.b. Operation «Noble Eagle» ab 15. September 2001, 35′000 Reservisten mobilisiert), zur Grenzüberwachung und in annektierten Gebieten (z.B. Puerto Rico);
• Einsätze der Nationalgarde, der Militärpolizei, der Drug Enforcement Agency oder anderer nicht dem Verteidigungsdepartement angehörender Einheiten (z.B. Sicherheitskräfte der US-Botschaften etc.)
• Logistische und materielle Unterstützung sowie militärische Ausbildungs- und Beratungsprogramme in Bürgerkriegs-Situationen (Low-Intensitiy-Kriegsführung) und andere verdeckte Operationen, sofern nicht zusätzlich reguläre Einheiten der US-Armee direkt involviert sind (u.a. Philipinen 1945-53, Südkorea 1945-53, Griechenland 1947-50 und 1964-74, Albanien 1949-53, Iran 1953, Guatemala 1954, Indonesien 1957-58 und 1965, Guyana 1954-64, Brasilien: 1961-64, Chile 1964-73, Ost-Timor 1975, Afghanistan 1979-82, El Salvador 1980-92)
Keine einzige der in der Folge aufgelisteten Militärinterventionen der USA war ein deklarierter Krieg. Und dennoch führten die USA – meistens alleine, gelegentlich zusammen mit verbündeten Nationen – seit 1945 mit regulären Streitkräften offene Angriffskriege gegen dreizehn Staaten sowie in vier Bürgerkriegsregionen: China (1945), Korea (1950-53) , Libanon (1958, 1982-84), Vietnam (1961-75), Laos (1964-1971), Dominikanische Republik (1965), Kambodscha (1966-73), Grenada (1983), Libyen (1986), Iran (1988), Panama (1989-1990), Irak (1991-heute), Somalia (1992-93), Kroatien/Republika Srpska (1995), Sudan (1998), Afghanistan (1998), Serbien/Kosovo (1999), Afghanistan (2001-?). Es starben dabei zwischen 5,5 und 6 Millionen Menschen. Nicht erfasst sind damit die Menschen, die in den schmutzigen «Low-Intensitiy-Kriegen» der USA, bei verdeckten Operationen und von verbrecherischen Vasallen der US-Aussenpolitik in deren Einverständnis umgebracht wurden.
Die Jahreszahlen in der Klammer beziehen sich in der Regel auf die Einsatzdauer regulärer US-Truppen.
China (1945, 1948/49)
Im Oktober 1945 werden – zusätzlich zu den 60′000 nach dem Ende des 2. Weltkrieges in China verbliebenen Soldaten bis 50,000 U.S. Marines nach Nordchina geschickt, um die nationalchinesischen Behörden zu unterstützen und Häfen, Bahnlinien und Flughäfen zu kontrollieren.
Ab November 1948 werden 1250 Marines in Tsingtao und ab Mitte Dezember in Schanghai stationiert, wo sie die Amerikanische Botschaft nach der Niederlage der Nationalchinesen bewachen beziehungsweise amerikanische Bürger evakuieren.2
Jugoslawien (1946)
1946, als die Jugoslawische Armee ein US-Flugzeug abschiesst, ordnet Präsident Truman die Verstärkung der US-Truppen an der Besatzungszonengrenze (bei Triest) an. Schon früher hatte er Kriegsschiffe in die Adria entsandt.
Palästina (1948)
1948 werden Marineeinheiten nach Jerusalem geschickt um das Generalkonsulat der USA zu sichern.
Taiwan-Strasse (1950-74)
Erste Taiwan-Krise: Juni 1950 bis 1955: Die siebente Flotte der US-Navy schützt Taiwan vor einem Angriff Chinas; von den USA ausgebildete taiwanesische Kräfte besetzen zwischen Oktober 1952 und Juni 1953 verschiedene Inseln vor der chinesischen Festlandküste, während die chinesische Armee taiwanesisch besetzte Inseln bombardiert; mehrere Tausend Tote; im Januar 1955 evakuieren US-Kriegsschiffe amerikanische und taiwanesischeTruppen von den Tachen Inseln. Zweite Taiwan Krise, 23. August 1958 bis 1. Januar 1959: Als China die unmittelbar vor dem Festland liegenden aber taiwanesisch besetzten Inseln Quemoy and Matsu Islands blockiert und zu beschiessen beginnt, schickt die USA einen grossen Flottenverband ; (von taiwanesischen Soldaten geflogene) US-Kampfflugzeuge schiessen chinesische MIGs ab; die USA droht China mit Atomschlägen und der Generalstab arbeitete entsprechende Pläne aus, die den Tod von Millionen von Zivilisten einkalkulieren. Die letzten Kampf- und Überwachungsflugzeuge ziehen die USA 1974 von Taiwan ab.
UdSSR (1950-55)
Flugzeugabschüsse, 11. April 1950 bis 31. Juli 1953 und 23. Juni 1955: Der Nervenkrieg der US-amerikanischen und sowjetischen Luftwaffe um Spionageflüge und Luftraumverletzungen führt die Welt mehrmals an den Rand eines Atomkrieges. Am 8. Oktober 1950 bombardieren US-Flugzeuge einen sowjetischen Flughafen nahe der nordkoreanischen Grenze. Bei insgesamt zehn Luftkämpfen beziehungsweise Abschüssen kommen auf beiden Seiten über 50 Menschen ums Leben.
Korea (1950-53)
Korea-Krieg, 27. Juni 1950 bis 27. Juli 1953: Die USA unterstützen das pro-westliche Südkorea im Krieg gegen das kommunistische Nordkorea. 276′000 US-Flüge, Einsatz von 454′000 Tonnen Bomben und Raketen. 36′940 US-Soldaten, 180′000 südkoreanische Soldaten, und eine unbekannte Zahl nordkoreanischer (maximal 520′000) und chinesischer (maximal 900′000) Soldaten und von Zivilisten sterben; die meisten Schätzungen gehen von insgesamt 3′000′ 000 Toten aus.
Ägypten (1956)
Suez-Krise, 26. Juli 1956 bis 15. November 1956: Ein Marine-Bataillon landet in Alexandria um US-BürgerInnen und andere AusländerInnen vor dem Hintergrund des israelisch-französisch-britisch-ägyptischen Krieges zu evakuieren.
Libanon (1958)
Operation “Blue Bat”, 15. Juli 1958 bis 20. Oktober 1958: Mehr als 14′000 US-Soldaten besetzen Beirut, um die amtierende pro-westliche Regierung gegen von Syrien gestützte Aufständische zu unterstützen; 1300 Tote.
Guatemala (1960-62)
13. November 1960: Die Unterstützung der Schweinebucht-Invasion durch die Militärjunta, die sogar Militärübungen der exil-kubanischen Invasionstruppen in Guatemala zu lässt, führt zu einer Revolte unzufriedener guatemaltekischer Offiziere, die mit US-Unterstützung niedergeschlagen wird.
Nach der Bildung einer linksgerichteten Guerilla im Februar 1962 und blutig niedergeschlagenen Protesten in Guatemala City (mindestens 20 Tote) schicken die USA Soldaten zur Aufstandsbekämpfung.
(Hintergrund: Die Repression diverser, von den USA unterstützter Militärjuntas nach dem von der CIA und der United Fruit Company betreibenen Sturz der demokratisch gewählte Regierung Arbenz (1954) und der über drei Jahrzehnte dauernde Bürgerkrieg haben nach vorsichtigen Schätzungen 120′000 Tote zur Folge, vor allem unter der ländlichen Bevölkerung der Maya-, Garifuna- und Xinca-Indianer. Ein unbekannte Zahl von Menschen «verschwinden».)
Kuba (1961-63)
Schweinebucht-Invasion, 17. April bis Mai 1961: 1500 von der CIA in Guatemala ausgebildete Exil-Kubaner landen auf Kuba um die Regierung Castro zu stürzen. Die US-Luftwaffe unterstützt den Angriff mit Luftschlägen, dennoch scheitert die Invasion schon am 20. April; einige Exil-Kubaner können entkommen und versuchen in den Bergen eine Guerilla-Basis einzurichten, werden aber bald verhaftet; die Invasion und die anschliessenden Scharmützel fordert insgesamt 300 Todesopfer;
Kuba-Krise, 24. Oktober 1962 bis 1. Juni 1963: Die Blockade der Insel durch die US-Navy bringt die Welt an den Rand eines Atomkrieges.
(dielinke.heyckendorf.de: Detaillierte Dokumentation weiter unten)
Vietnam (1961-75)
Vietnam-Krieg, diverse Operationen, 1961 bis April 1975: 1961 schicken die USA eine grosse Zahl von Militärberatern und Kampfflugzeugen, um Südvietnam im Krieg gegen Norvietnam zu unterstützen; die Bombardierungen Nordvietnams durch US-Flugzeuge beginnen am 4. August 1964; Maximaler Truppeneinsatz 543′000 US-Soldaten im April 1969; im August 1972 verlassen die letzten US-Bodenkampftruppen das Land (43′000 Mann Supportpersonal bleibt stationiert); die schweren Bombardierungen werden bis zum Waffenstillstand vom 28. Januar 1973 fortgesetzt; das Gesamtgewicht der abgeworfenen US-Bomben bzw. Raketen entspricht mit 6′162′000 Tonnen der dreifachen Menge der im 2. WK von den USA eingesetzten Bomben; ca. 2 Millionen Tote, vor allem unter der Zivilbevölkerung; 58′000 gefallene US-Soldaten. Spezielle Operationen:
Operation “Ranch Hand”, Januar 1962 bis Januar 1971: die USA vernichten 20 Prozent der südvietnamesischen Urwälder und 36 Prozent der Mangrovenwälder mit Herbiziden.
Operation “Pocket Money”, 9. Mai 1972 bis 23. Oktober 1972: die USA verminen norvietnamesische Häfen mit über 11′000 Minen.
Operation “Freequent Wind”, 26. April 1975 bis 30. April 1975: Evakutaion von US-Bürgern und anderen Ausländern.
(dielinke.heyckendorf.de: Detaillierte Dokumentation weiter unten)
Laos (1961-1975)
Aufstandsbekämpfung, 1961: Intervention von US-Bodentruppen. April 1964 bis 1970: Nach einem Militärputsch unterstützen die USA die konservativen Kräfte auch mit Luftangriffen auf die kommunistischen Milizen; mindestens 20′000 nach anderen Angaben sogar bis zu 350′000 Tote. 3
Operation “Tailwind”, 1970: Gemäss Berichten von CNN and Time Magazine vom 8. Juni 1998 benutzen die USA bei ihren Angriffen gegen feindliche Einheiten 1970 auch das Nervengas Sarin.
Februar 1971: Die Südvietnamesen starten mit amerikanischer Luftunterstützung eine Offensive gegen Laos. Mehrere zehntausend Soldaten stoßen vom ehemaligen US-Stützpunkt Khe Sanh nach Westen vor, aber der Vorstoss scheitert.
(Hintergrund: Die Destabilisierung der nationalen Einheitsregierung in Laos durch die USA führt ab Dezember 1958 zum Bürgerkrieg, in dem die USA die konservativen Kräfte bis 1975 unterstützt.)
Thailand (1962)
Aufstandsbekämpfung, 17 Mai 1962 bis zum 30. Juli 1962: 5000 Marines des «3d Marine Expeditionary Unit» unterstützen Thailand gegen die «kommunistische Bedrohung».
Panama (1964)
Die «Flag Riots», 7, Januar 1964 bis 16. Januar 1964: Hunderte von Panamesen versuchen in der Kanalzone ihre Nationalflagge zu hissen; daraufhin übernimmt die USA die alleinige Kontrolle der Kanalzone; 20 Panamesen und 4 US-Soldaten sterben bei den Scharmützeln.
Kongo/Zaire (1964/67/78)
1964 schicken die USA vier Transportflugzeuge inklusive Besatzung für Truppentransporte in den kongolesischen Sezessionskrieg.
Operation “Red Dragon”, 23. November 1964 bis 27. November 1964: Die USA unterstützen belgische Interventions- und Evakuationstruppen im Sezessionskrieg mit Transportflugzeugen inklusive Besatzung. 1967 werden drei militärische Transportflugzeuge entsandt, um die Regierung Mobutu bei der Aufstandsbekämpfung zu unterstützen.
Operation “Red Bean”, 19. Mai 1978 bis Juni 1978: USA schicken Transportflugzeuge inklusive Besatzung, um Mobutu sowie belgische und französische Interventionstruppen gegen Aufständische zu unterstützen. (Hintergrund: Unmittelbar nach der Wahl des unabhängigen Kandidaten Patrice Lumumba zum ersten Ministerpräsidenten des unabhängigen Kongo im Juni 1960, beginnt die Sezession der an Rohstoffen reichen Provinz Katanga, wo Mitglieder der Eisenhower-Administration ihre Interessen bei der Ausbeutung dieser Bodenschätze sichern wollen. Auf Anweisung Eisenhowers wird Lumunba im September als Ministerpräsident abgesetzt und im Januar 1961 ermordet. Die CIA installiert Mobutu, welcher das ursprünglich reiche Land über 30 Jahre lang mit spektakulärer Grausamkeit regiert und ruiniert.)
Dominikanische Republik (1965)
Operation “Powerpack”, 28. April 1965 bis 21. September 1966: Als eine Revolte ausbricht, die den demokratische gewählten, 1963 vom Militär weggeputschten und exilierten Präsidenten Juan Bosch an die Macht zurückbringen will, landen innert fünf Tagen 19′000 US-Soldaten, welche die Revolte niederschlagen. Die Gefechte fordern 3500 Tote, davon 30 US-Soldaten.
Kambodscha (1966-73, 1975)
Vietnam-Krieg: Bombenangriffe auf angebliche Vietkong-Basen im neutralen Kambodscha ab 1966. Operationen “Breakfast”, “Lunch”, “Snack”, “Dinner” und “Dessert”, 17 März 1969 bis 14. August 1973: Massive Flächenbombardements in Kambodscha. Die schweren Bombenangriffe der US-Air-Force werden erst beendet, als der Kongress das definitive Ende der von der Regierung Nixon-Kissinger teilweise geheim durchgeführten Bombardierungen beschliesst. Vom 30. April 1970 bis zum 30. Juni 1970 intervenieren zusätzlich 31′000 US-Bodentruppen (zusammen mit über 40′000 südvietnamesischen Soldaten) gegen Vietkong-Basen; mindestens bis September 1970 unterstützen US-Soldaten in Kambodscha die südvietnamesischen Armee logistisch; insgesamt verursachen diese Operationen, insbesondere die Bombardierungen, mindestens 150′000, nach anderen Angaben sogar 600′000 Tote. 3
Operation “Eagle Pull”, 11. April 1975 bis 13. April 1975: Evakuierung.
Operation “Mayaguez”, 14. Mai 1975 bis 20. Mai 1975: Nach der Beschlagnahmung eines US-Handelsschiffes durch Kambodscha landen US-Marines an der thailändischen Küste in der Nähe der kambodschanischen Grenze und beginnen Kambodscha zu bombardieren; 50 Tote.
(Hintergrund: Die Zerstörung Kambodschas durch die USA ermöglichten die Machtübernahme der Roten Khmer, die einen systematischen Massenmord an bis zu zwei Millionen Kambodschanern durchführten. Dies hinderte die USA nicht daran, die Roten Khmer nach der Intervention Vietnams in Kambodscha 1979 zu unterstützen.)
Nordkorea: (1968/76)
Operation “Red Fox”, 23. Januar 1968 bis 5. Februar 1969: Truppenaufmarsch nach Kaperung eines US-Spionageschiffes durch Nordkorea (Pueblo Incident).
Operation “Paul Bunyan”, 21. August 1976: 27 US-Hubschrauber und mehrere B-52 Bomber «unterstützen» die Fällung eines Baumes in der neutralen Sperrzone, nachdem Tage zuvor zwei US-Offiziere an dieser Stelle erschlagen worden sind. (Aussenminister Henry Kissinger will Nordkorea bombardieren).
Mittlerer Osten: (1973)
Operation “Nickel Grass”: 14. Oktober 1973 bis 14. November 1973: Luftbrücke, mit der die USA die israelische Armee während dem Jom Kippur Krieg logistisch und mit Waffenlieferungen unterstützt. Zwei US-Flugzeugträger werden in die Konfliktregion verschoben, um einem allfälligen sowjetischen Eingreifen zuvor zu kommen.
Zypern (1974)
22. Juli 1974: US-Marineeinheiten greifen in Zypern ein und evakuieren 460 Personen (die meisten davon sind US-Bürger). Hintergrund: Zusammen mit der faschistischen griechischen Junta organisieren die CIA und das US-Aussenministerium einen Putsch gegen den demokratisch gewählten Präsidenten des Inselstaates, Erzbischof Makarios, der aber dem Attentat entkommen kann. Als die Demokraten in Athen die Obristen-Junta verjagen, wechselt US-Aussenminister Kissinger auf die Seite der Türkei, welche Zypern überfallen hat.
Libanon (1976)
Am 22. und 23. Juli 1976 evakuieren Helikopter von fünf US-Kriegsschiffen etwa 250 Amerikaner und Europäer aus dem Libanon.
Saudi Arabien (1979-89)
Operation “Elf One”, März 1979 bis 15. April 1989: Im März 1979 werden zwei US-amerikanische E-3-Überwachungsflugzeuge von Japan nach Saudi Arabien verlegt, um den Grenzkonflikt zwischen Nord- und Südjemen zu überwachen. Seit September 1980 verstärken vier E-3-Überwachungsflugzeuge (inklusive 200 Crew-Mitglieder) die saudische Luftabwehr. Während dem ersten Golfkrieg sind diese Flugzeuge rund um die Uhr in der Luft (6000 Aufklärungsflüge mit einer Gesamtdauer von 87′000 Stunden).
Südkorea (1979-80)
Verstärkung der amerikanischen Truppen nach der Ermordung von Präsident Park am 26. Oktober 1979 und nach den Revolten gegen die von den USA unterstützte Militärdiktatur im Mai 1980. General John A. Wickham Jr. lässt vom 8. bis zum 17. Mai 1980 Südkoreansiche Truppen des gemeinsamen Militärkommandos einen Studentenaufstand in Kwangju blutig niederschlagen.
Iran (1980)
Operationen “Eagle Claw/Desert One”, 25. April 1980: gescheiterter Befreiungsversuch der US-Botschaft in Teheran mit sechs Transportflugzeugen und acht Helikoptern.
Honduras/Nicarauga/Costa Rica (1981-89)
Juli 1983: die USA führen Militärübungen in Honduras durch, die beinahe zum offenen Konflikt mit Nicaragua führen.
25. März 1986: Helikopter der US-Army fliegen honduranische Truppen zu Grenzgefechten mit der nicaraguanischen Armee.
Operation “Golden Pheasant”, März 1988: Truppen des XVIII US-Airborne Corps provozieren an der honduranisch-nicaraguanischen Grenze.
(Hintergrund: Nach dem Sieg des FSLN gegen das Somoza-Regime und dem Amtsantritt Ronald Reagans im Januar 1981 organisiert und finanziert die CIA (u.a. mit von General Noriega gewaschenen Drogengeldern) den Aufbau einer Konterrevolutionären Guerilla («Contra») von bis zu 15′000 Mann in Honduras und Costa Rica, was in den achtziger Jahren zu mehreren Grenzkonflikten zwischen Nicaragua und diesen Ländern führt; der schmutzige Krieg der Contras in Nicaragua fordert 25′000 zumeist zivile Opfer; häufige Flottenmanöver der US-Marine vor der nicaraguanischen Küste; 1984 vermint die CIA nicaraguanische Häfen und versenkt so mehrere Handelsschiffe, wofür die USA vor dem internationalen Gerichtshof verurteilt werden.
Libyen (1981-89)
Operation “Golf von Sidra”, 18. August 1981: Abschuss zweier lybischer Kampfjets über dem von Libyen beanspruchten Golf von Sidra während einem US-Militärmanöver.
Operation “Attain Document”, 26. Januar 1986 bis 29. März 1986: Nach Bombenanschlägen in Rom und Wien führt die US-Navy «Freedom of Navigation»-Manöver im Golf von Sidra druch. Zwischen dem 24. und dem 26. März greifen US-Raketen lybische Stellungen und fünf libysche Kriegsschiffe an, von denen mindestens zwei versenkt werden; 50 bis 100 Tote.
Operation “El Dorado Canyon”, 12. April 1986 bis 17. April 1986: ca. 100 US-Flugzeuge bombardieren verschiedene Ziele in Libyen (nachdem ein amerikanischer Soldat bei einem Bombenanschlag in einer Berliner Diskothek getötet und 63 verwundet worden sind); ca. 150 Tote, v.a. in Tripolis und Benghasi.
Januar 1989: USA provozieren mit neuerlichen Flottenmanövern und schiessen am 4. Januar 1989 zwei libyscher Kampfflugzeuge 70 Meilen nördlich der libyschen Küste ab.
Ägypten: (1981-?)
Operation “Bright Star”, 6. Oktober bis November 1981: Nach der Ermordung des ägyptischen Präsidenten Sadat am 6. Oktober 1981 werden 2 Flugzeuge und 200 Soldaten der US-Luftüberwachungskräfte in Ägypten stationiert. Flotteneinheiten stationieren sich vor der ägyptischen Küste.
Opertion “Early Call”, ab 18. März 1983: Vier US-AWACS-Flugzeuge werden in Ägypten stationiert und überwachen libysche Flugbewegungen.
Libanon: (1982-84)
Operation “US Multinational Force”, 25. August 1982 bis 26. Februar 1984: Nach dem israelisch-palästinensischen Waffenstillstand soll die «US-Multinational Force» mit ihren bis zu 1200 Soldaten die libanesische Regierung stabilisieren; faktisch wird die bis dahin militärisch dominierende PLO vertrieben und die Stellung der christlichen Falangisten-Milizen gestärkt; im Oktober 1983 sterben 241 US-Soldaten bei einem Bombenanschlag.
Grenada (1983)
Operation “Urgent Fury”, 23. Oktober 1983 bis 21. November 1983: Eine 5000 Mann starke US-Interventionstruppe stürzt die bestehende, sozialistisch orientierte Regierung nach internen Wirren; 250 tote, davon 42 US-Soldaten.
Tschad/Sudan (1983-?)
Operation “Arid Farmer”, Am 8. August 1983: US-Regierung schickt zwei AWACS-Überwachungsflugzeuge in den Sudan, um libysche Flugbewegungen zu überwachen. Acht F-15-Kampfflugzeuge helfen dem auch von Frankreich unterstützten Tschad, von Libyen unterstützte Rebellentruppen zu bekämpfen.
Iran/Persischer Golf (1984-88)
Am 5. Juni 1984 schiessen Saudi Arabische Kampfflugzeuge mit Unterstützung US-amerikanischer AWACS und KC-10 Luftbetankungsflugzeuge zwei iranische Kampfflugzeuge über dem Persischen Golf ab.
Operation “Ernest Will”, 24. Juli 1987 bis 2. August 1990: Eskorten für Kuwaitische Öl-Tanker; militärische Zwischenfälle am 23. September, 10. Oktober und 20. Oktober 1987 sowie am 19. April, 4. Juli und 14. Juli 1988.
Operation “Praying Mantis”: 17. April 1988 bis 19. April 1988: drei Tage nachdem eine US-Kriegsschiff im auf eine Wassermiene aufläuft, zerstören Einheiten der US-Kriegsschiffe und Flugzeuge zwei iranische Ölplattformen, drei iranische Kriegsschiffe und mindestens sechs Schnellboote.
3. Juli 1988: US-Schlachtschiff «Vincennes» verwechselt einen zivilen iranischen Airbus mit einem F-14 Kampfflugzeug und schiesst ihn ab; 280 zivile Tote.
Mittelmeer (1985)
Am 10. Oktober 1985 zwingen U.S. Navy-Kampfflugzeuge ein ägyptisches Flugzeug zur Landung in Sizilien, um die Entführer des Kreuzfahrtschiffes «Achille Lauro» zu verhaften.
Bolivien (1986)
Operation “Blast Furnace”, Juli 1986 bis November 1986: «Anti-Drogen»-Operationen und Counter-Insurgency-Training; bis zu sechs Blackhawk-Helikopter und 160 Solaten im Einsatz.
Panama (1988-1990)
Ab März 1988 Truppenverstärkungen (auf insgesamt 11′000 Soldaten) zur Sicherung des Kanals und amerikanischer Interessen.
Operation “Nimrod Dancer”, 11. Mai 1989 bis 20. Dezember 1989: Die US-Truppen werden um weitere 1,900 Mann verstärkt; Schutz amerikanischer Bürger und Interessen sowie militärische Stärkedemonstration; bei mehreren aggressiven Militärmanövern (Operation “Purple Storm” und Operation “Sand Fleas”) setzt die US-Armee ihre absolute Bewegungsfreiheit gegen Einheiten der panamenischen Armee mit Warnschüssen, bzw. Artilleriefeuer mit Leuchtmunition und Einschüchterungseinsätzen der Luftwaffe (Kampfflugzeuge, Hubschrauber) durch.
Operation “Just Cause”, 20. Dezember 1989 bis 31. Januar 1990: 23′000 US-Soldaten überfallen Panama, Bombardierung Panamas durch die Luftwaffe; Jagd auf den ehemaligen CIA-Agenten und damaligen Präsidenten, General Noriega; ganze Stadtteile, besonders Armenviertel, werden zerstört; nach offiziellen Angaben über 550 Tote (darunter 26 US-Soldaten), andere Schätzungen sprechen von 2000 toten und 15′000 Obdachlosen.
Operation “Promote Liberty” bzw. “Kindle Liberty”, ab 31. Januar 1990 bis heute: Gegen 200 US-Soldaten bleiben auf panamenischem Territorium stationiert.
Südamerika, insbesondere Bolivien und Kolumbien (1989-heute)
Operationen “Safe Haven”, “Ghost Zone” and “Support Justice I-IV” im Rahmen der «Anden-Initiative», ab 15. September 1989 bis 1994: Die USA entsenden 50 bis 100 Militärberater und -ausbildner sowie sieben Spezialkräfteteams von je 2 bis 12 Mann zur Drogenbekämpfung nach Kolubien, Bolivien und Peru. Zusammen mit den lokalen Sicherheitskräften kontrollieren sie den Anden-Luftraum.
Operationen “Steady State”, 1994 bis April 1996 und “Green Clover” ab 1995 sowie “Laser Strike”, ab 1. April 1996: Das US Southern Command (CINCSOUTH) koordiniert dabei die Unterstützung der Anti-Drogen-Operationen der Sicherheitskräfte von 19 lateinamerikanischen Ländern durch Einheiten des US-Militärs und der DEA, der Zollbehörden, der CIA und der US Küstenwache; 300 zusätzliche US-Militärexperten sind zu diesem Zweck in ganz Lateinamerika stationiert.
“Plan Colombia” ab Juli 2000: zusätzliche 1,3 Milliarden Dollar Militärhilfe und Militärberater «privater» Sicherheitsagenturen für Kolumbiens «Drogenkrieg» gegen die linksgerichtete Guerilla. 4
St. Croix und Virgin Islands (1989)
Operation “Hawkeye”, 20. September bis 17. November 1989: Einheiten des Heeres, der Marine, der Küstenwache, der U.S. Marshals und des FBI intervenieren nach einem Wirbelsturm mit einer «Joint Task Force» auf den Karibikinseln um die öffentliche Ordnung zu sichern, Plünderer und Proteste abzuschrecken und entlaufene Häftlinge sowie Drogenhändler zu verhaften.
Philippinen (1989)
Operation “Classic Resolve”, November bis Dezember 1989: Am 1. Dezember 1989 unterstützen US-Kampfflugzeuge von der Clark Air Base in den Philippinen die Regierung Aquino gegen einen Putschversuch. 100 Marines der U.S. Navy-Basis Subic Bay schützen die US-Botschaft in Manila.
Liberia (1990-91)
Operation “Sharp Edge”, 2. Juni 1990 bis 9. Januar 1991: Schutz der US-Botschaft und Evakuation von US-Bürgern.
Irak/ Persischer Golf/Südwest-Asien (1990-heute)
Operation “Desert Shield”, 2. August 1990 bis 17. Januar 1991: Von den USA geführte Allianz marschiert nach der Besetzung des Kuwait durch irakische Truppen in Saudi Arabien auf.
Operation “Desert Storm”, 17. Januar 1991 bis 28. Februar 1991 (2. Golfkrieg): Krieg gegen den Irak; 550′000 Soldaten im Einsatz; bei 110′000 Angriffsflügen werden Bomben und Raketen mit 60′600 Tonnen Gewicht eingesetzt; nach offiziellen irakischen Angaben zwischen 85′000 und 110′000 tote irakische Soldaten und über 40′000 tote Zivilisten – die Angaben der irakischen Opposition liegen deutlich darüber, amerikanische stellen schätzen 25′000 bis 65′000 tote irakische Soldaten; ca. 200 Soldaten der Allianz im Kampf getötet.
Operation “Proven Force”; 18. Januar 1991 bis 28. Februar 1991: Angriffe mit 110 in der Türkei stationierten Flugzeugen auf den Norden des Iraks und auf Baghdad; Abzug am 20. März 1991 beendet.
Operation “Desert Calm/Desert Farewell”, 1. März 1991 bis 1. Januar 1992: Abzug der Desert-Storm-Truppen.
Operation “Provide Comfort I + II”, 5. April 1991 bis 31. Dezember 1996: Durchsetzung der Flugverbotszone über dem Norden des Iraks und Unterstützung befreundeter kurdischer Organisationen; 42′000 US-Flüge, bis zu 43′000 US-Soldaten im Einsatz.
Operation “Southern Watch”, 27. August 1992 bis heute: Durchsetzung einer «Flugverbotszone» über dem Süden des Irak; Abschuss des ersten irakischen Kampfflugzeuges am 27. Dezember 1992; ab 13. Januar 1993 Bombardierungen im Süden des Iraks mit über 100 Flugzeugen; am 17. Januar Angriff mit 42 Cruise Missiles. Weitere Angriffe am 18. und 21. Januar sowie am 9. und 18. April, am 19. Juni und am 19. August 1993; am 26. Juni 1993 Vergeltungsschlag mit 23 seegestützten Cruise Missiles gegen den Hauptsitz des irakischen Geheimdienstes in Bagdad (nach einem angeblichen Attentatsversuch auf Ex-Präsident Bush); 28′800 US-Flüge alleine bis Januar 1997; über 6000 Luftwaffen-Angehörige und bis zu 14′000 US-Soldaten im Einsatz; nach US-Angaben 175 zivile Tote und 500 zivile Verwundete alleine zwischen Januar 1999 und April 2000.
Operation “Desert Strike”, 3. bis 4. September 1996: Angriffe mit insgesamt 44 Cruise Missiles im Süden Iraks und Angriffe mit B-52-Bombern, die von Guam aus gestartet sind und 34 Stunden Non-Stop in der Luft bleiben.
Operation “Pacific Haven/Quick Transit”, 15. September 1996 bis 16. Dezember 1996: Evakluation von insgesamt 6493 Pro-US Kurden nach Guam während kurdischen Fraktionskämpfen im Nordirak.
Operation “Northern Watch”, seit 31. Dezember 1996 bis heute: Durchsetzung der Flugverbotszone über dem Norden des Iraks durch US-amerikanische, britisch und türkische Flugzeuge; über 5000 Angriffsflüge auf 225 Ziele alleine zwischen Juni 1998 und Juni 1999, erstmalige Verwendung der AGM-130-Flugzeuge (fliegende Festungen), bis 1100 US-Soldaten im Einsatz.
Operation “Phoenix Scorpion I-IV”, November 1997 bis Dezember 1998: Vorbereitung von “Desert Fox”.
Operation “Desert Thunder ” Februar 1998 bis 16. Dezember 1998: Flottenaufmarsch.
Operation “Desert Fox”, 16. Dezember 1998 bis 20. Dezember 1998: Über 100 Bombardements und Angriffe mit ca. 400 Cruise Missiles.
Somalia (1991-95)
Operation “Eastern Exit”, 2. Januar 1991 bis 11. Januar 1991: Evakuierung der US-Botschaft in Mogadischu.
Operation “Restore Hope”, 10. Dezember 1992 bis 4. Mai 1993: 28′000 US-Soldaten machen den Kern der US-geführten «United Nations Unified Task Force», welche die öffentliche Ordnung in Somalia wiederherstellen soll. US-Truppen beteiligen sich auch an der nachfolgenden «United Nations Operation in Somalia» (UNOSOM II); im Juni 1993 intervenieren Luft- und Bodenkräfte der «US-Quick Reaktion Force» gegen feindliche Miliztruppen.
Operation “United Shield”, 1. bis 25. März 1995: 4000 US-Soldaten sichern den UN-Truppenabzug aus Somalia.
Saudi Arabien: (1991-heute)
Operation “Desert Falcon”, ab 31. März 1991: Installation und Unterhalt ständiger Patriot-Raketenstellungen;
Operation “Desert Focus”, ab Juli 1996: Anti-Terror-dispositiv und Aufbau einer neuen Basis für 4000 US-Soldaten.
Zaire (1991)
Operation “Quick Lift”, 24. September 1991 bis 7. Oktober 1991. Truppentransporte für französische und belgische Truppen sowie Evakuationen.
Sierra Leone (1992)
Operation “Silver Anvil”, 2. Mai 1992 bis 5. Mai 1992: Evakuation von US-Bürgern.
Bosnien-Herzegowina: (1992-heute)
Operation “Sky Monitor”, ab 16. Oktober 1992 bis heute: bemannte Überwachungsflüge der USA und weiterer Nato-Staaten.
Operation “Deny Flight”, 12. April 1993 bis 20. Dezember 1995: Nato-Flugzeuge kontrollieren den Luftraum über Bosnien; über 100 Flugzeuge im Einsatz, 1993 bis 1994 47′000 Einsätze; am 28 Februar 1994 schiessen US-Flugzeuge vier serbische Kampfflugzeuge in der Flugverbotszone ab – das war die erste, im Namen der Nato durchgeführte Kampfhandlung überhaupt; am 5 August und am 22. September 1994 attackiert die Nato serbische Stellungen um Sarajewo; am 21. November 1994 greift die Nato einen serbisch kontrollierten Flugplatz auf kroatischem Territorium an.
Operation “Determined Effort”, Juli 1995 bis Dezember 1995: Vorbereitung auf “Joint Endeavor”.
Operation “Joint Endeavor”, Dezember 1995 bis Dezember 1996: 20′000 US-Truppen («Task Force Eagle») und verbündete installieren die Nato-Interventionstruppe IFOR.
Operation “Decisive Endeavor/Decisive Edge/ Deliberate Guard”, Januar 1996 bis 20. Juni 1998 (Fortführung der Operation “Deny Flight” zur Unterstützung der IFOR- bwz. SFOR-Truppe);
Operation “Joint Guard”, Dezember 1996 bis 20. Juni 1998: weiterhin 20′000 US-Truppen der «Task Force Eagle» zur Unterstützung der Nato-Truppe in Bosnien.
Operation “Deliberate Forge”, ab 20. Juni 1998 bis heute: das «United States European Command» unterstützt mit dieser Luftüberwachungsoperation weiterhin die SFOR-Truppe in Bosnien.
Operation “Joint Forge”, ab 20. Juni 1998 bis heute: 6900 US-Soldaten unterstützen weiterhin die SFOR-Truppe in Bosnien.
Adria (1992-heute)
Operation “Maritime Monitor”, 16. Juli 1992 bis 22. November 1992: Überwachungsflüge vor der montenegrinischen Küste.
Operation “Maritime Guard”, 22. November 1992 bis 15. Juni 1993: Überwachungsflüge und Inspektion von 1032 Handelsschiffen.
Operation “Sharp Guard”, 15. Juni 1993 bis Dezember 1995: Embargo gegen Jugoslawien, 7400 Schiffe inspiziert, bis zu 11700 US-Soldaten im Einsatz.
Operationen “Decisive Enhancement”, ab 1. Dezember 1995, und “Determined Guard”, ab Dezember 1996 bis heute: Schiffe und U-Boote kontrollieren Embargo gegen Jugoslawien.
Ruanda (1994)
Operation “Distant Runner”, 9. April 1994 bis 15. April 1994: Das «Air Mobility Command» (AMC) und US-Marines evakuieren US-Bürger und andere Ausländer.
Serbien-Mazedonien (1994)
Operation “Able Sentry”, ab 5. Juli 1994: 350 US-Soldaten Soldaten zur Unterstützung der «United Nations Preventive Deployment Force».
Haiti (1994-96)
Operation “Sea Signal”, August 1994 bis Februar 1996: US-Navy installiert Zwischenlager für Haitische und Kubanische Flüchtlinge auf dem Marinestützpunkt Guantanamo.
Operation “Uphold/Restore Democracy”, 19. September 1994 bis 31. März 1995: US-geführte «multinationale» Truppe interveniert nach Militärputsch, übernimmt die öffentliche Gewalt und bricht die Flüchtlingswelle in Richtung USA; bis zu 20′000 US-Soldaten und 14 Schiffe der Navy im Einsatz; etliche Tote bei der Entwaffnung der haitischen Polizei und paramilitärischer Einheiten. (Hintergrund: Nachdem der US-Vasall «Baby Doc» Duvallier nicht mehr zu halten ist, installieren die USA 1986 eine Militärjunta. 1991 veranlasst die CIA einen Putsch gegen den demokratisch gewählten Präsidenten Jean-Bertrad Aristide; die neue Militärjunta stürzt das Land in eine dreijährige Periode schlimmster Menschenrechtsverletzungen bevor die USA Aristide – zu ihren Bedingungen – wieder in sein Amt einsetzt.)
Kuwait (ab 1994)
Operationen “Vigilant Warrior”, “Vigilant Sentinel”, “Intrinsic Action” und “Desert Spring”, Oktober 1994 bis heute: Grenzmanöver gegen den Irak und Aufbau einer ständigen US-Präsenz in Kuwait.
Albanien (1995-97)
Operation “Nomad Vigil”, 1. Juli 1995 bis 5. November 1996: 70 US-Soldaten koordinieren von Albanien aus unbemannte Überwachungsflüge über Jugoslawien;
Operation “Silver Wake”, 14. März 1997 bis 26. März 1997: Evakuationen; 100 Soldaten zum Schutz der US-Botschaft in Tirana stationiert.
Kroatien / Republika Srpska (1995)
Operation “Quick Lift”, 8. Juli 1995 bis Anfang August 1995: 100 US-Soldaten beziehungsweise -Piloten führen Truppentransporte für die UN-Truppen in Kroatien durch.
4. August bis 8. August 1995: Die USA unterstützen Kroatien bei der Planung der “Aktion Sturm”, der Rückeroberung der serbisch kontrollierten Krajina durch die kroatische Armee, bei der 200 000 in der Region lebende Serben vertrieben und hunderte massakriert werden. 5
Operation “Deliberate Force”, 29. August 1995 bis 21. September 1995: Luftangriffe auf 338 Ziele im serbisch kontrollierten Bosnien; die USA fliegen 2318 der 3515 Angriffs- und Unterstützungsflüge.
Taiwan-Strasse (1995-96)
Dritte Taiwan-Krise, 21. Juli 1995 bis 23. März 1996: Die 7. Flotte der US-Navy schützt Taiwan vom 19. Dezember 1995 bis April 1996 demonstrativ im Vorfeld der Präsidentschaftswahlen gegen chinesische Einschüchterungsversuche.
Ungarn (1996)
Operation “Nomad Edeavor”, ab März 1996: Unbemannte Überwachungsflüge über Jugoslawien.
Liberia (1996/98)
Operation “Assured Response”, 6. April 1996 bis 3. August 1996: «Special Operations Command Europe» sichert Evakuationseinsätze vom 9. April bis zum 18. Juni sowie den Schutz der US-Botschaft und des benachbarten US-Wohnbezirkes. Ein ähnlicher Einsatz findet nochmals 1998 statt.
Zentralafrikanische Republik (1996)
Operation “Quick Response”, Mai 1996 bis 22. Juni 1996: Evakuationen und Schutz der US-Botschaft.
Zaire/Ruanda/Uganda (1996/1997)
Operation “Guardian Assistance”, 15. November 1996 bis 27. Dezember 1996: Luftüberwachung der Konfliktregion und der Flüchtlingsbewegungen mit P-3C-Flugzeugen der Mittelmeerflotte von Uganda aus.
Operation “Assurance/Phoenix Tusk”: Unterstützung der geplanten multinationalen Intervention, die aber nach dem Vormarsch der von Ruanda und Uganda unterstützten Kabila-Truppen von den USA abgesagt wird.
Operation “Guardian Retrieval”, März 1997 bis Juni 1997: Evakuationen in Kongo/Zaire.
Sierra Leone (1997)
Operation “Noble Obelisk”, Mai 1997 bis Juni 1997: Evakuationen.
Kambodscha (1997)
Operation “Bevel Edge”, Juli 1997: Evakuationen.
Eritrea, Asmara (1998)
5. und 6. Juni 1998: Evakuationen; 130 Soldaten im Einsatz.
Guinea-Bissau (1998)
Operation “Shepherd Venture”, 10. Juni 1998 bis 17. Juni 1998: Schutz und Evakuation von US-Bürgern; 130 Soldaten im Einsatz.
Mazedonien/Albanien: (1998)
Operation “Determined Falcon”, 15. Juni 1998 bis 16. Juni 1998: 85 Kampfflugzeuge aus den USA und 12 weiteren Nato-Ländern führen Einschüchterungsflüge an den Grenzen Albaniens und Mazedoniens zu Jugoslawien durch.
Sudan und Afghanistan (1998)
Operation “Infinite Reach”, 20. bis 30. August 1998: 80 Cruise Missiles nach Terroranschlägen auf US-Botschaften in Kenia und Tanzania abgefeuert. Im Sudan wird die wichtigste pharmazeutische Fabrik des Landes zerstört, weil dort angeblich Nervengas für Terroristen hergestellt werde (diese Vermutung stellt sich später als haltlos heraus).
Kenia und Tanzania (1998)
Operation “Resolute Response”, 9. August 1998 bis heute: Marines und spezielle Anti-Terror-Einheiten schützen die US-Botschaften.
Kosovo (1998-heute)
Operation “Cobalt Flash”, 8. Oktober 1998 bis 23. März 1999: Vorbereitung des Bombardements; das «United States European Command» mobilisiert Flotteneinheiten, 260 Flugzeuge und 7300 Soldaten.
Operation “Eagle Eye”, 16. Oktober 1998 bis 24. März 1999: Überwachungsflüge.
Operation “Determined Force”, 23. März 1999 bis 10. Juni 1999: Bombardierungen in Serbien, Montenegro und Kosovo; die Nato setzt Splitterbomben und Uran-Munition ein; ca. 3000 Tote und 6000 Verletzte, zumeist Zivilisten; durch Bombardierung von Chemiefabriken, Erdgasanlagen und Erdölrafinereien werden weite Gebiete verseucht.
Operationen “Shining Hope” und “Sustain Hope”, vom 5. April 1999 bis zum Herbst 1999: Unterstützung der «humanitären» Nato-Operation “Allied Harbour”. 6
Operation “Joint Guardian”, 11. Juni 1999 bis heute: Installation der Kfor-Truppen; 50′000 Soldaten, davon 42′000 im Kosovo, der Rest in Mazedonien, Albanien und Griechenland; davon maximal 7500 US-Truppen der «Task Force Falcon»; zur Zeit ungefähr 6′300 US-Soldaten im Einsatz.
Israel (1998)
Operation “Shining Presence”, Dezember 1998: Anlässlich des neuerlichen Angriffes auf den Irak, verstärken US-Truppen Raketenabwehr-Stellungen in Israel.
Ost-Timor (1999 bis heute)
Operation “Stabilize”, 11 September 1999 bis November 1999: Hunderte von US-Soldaten unterstützen die von Australien geführte UN-Peacekeeping-Mission logistisch und mit Aufklärung.
Mazedonien (2001-?)Bei der Nato-Operation “Essential Harvest” vom 27. August 2001 bis 26. September 2001 und der Nachfolgeoperation “Amber Fox”, ab 27. September 2001, übernimmt die US-Luftwaffe den Lufttransport; 700 zusätzliche Nato-Truppen werden in Mazedonien stationiert.
Afghanistan (2001-?)Operation “Enduring Freedom”, ab 7. Oktober 2001: Die USA bombardieren Ziele in ganz Afghanistan und unterstützen mit Verbindungstruppen am Boden die sogenannte Nord-Allianz in ihrem Krieg gegen die herrschende Taliban-Regierung; nach 5 Kriegswochen mindestens 1500, zumeist zivile Tote; wegen Versorgungsengpässen und Kälte droht eine humanitäre Katastrophe.
Der Vietnam-Krieg 1946-1976
Quelle: http://www.gersters.ch/download/der%20Vietnam%20Krieg.pdf
1. EINLEITUNG
Vietnamkrieg, Krieg in Vietnam von 1946 bis 1975 um die Unabhängigkeit, die Einheit und die Vorherrschaft im Lande. Der Krieg verlief in mehreren Phasen; die erste, die französische Phase (1946-1954), wird vielfach unter der Bezeichnung Indochinakrieg als eigenständiger Krieg beschrieben.
Der Krieg begann als Kampf Vietnams gegen die französische Kolonialherrschaft, griff in seiner zweiten Phase auch auf Laos und Kambodscha über und entwickelte sich zu einer der wichtigsten Auseinandersetzungen im Rahmen des Ost-West-Konflikts mit internationaler Beteiligung. Er wurde international äußerst heftig und kontrovers diskutiert und rief weltweit antiimperialistische Protestbewegungen hervor.
2. DIE ERSTE PHASE (1946-1954)
Nach der Niederlage Japans im 2. Weltkrieg und dem Abzug der japanischen Truppen aus Indochina kam es am 2. September 1945 in Hanoi im Norden Vietnams zur Errichtung der “Demokratischen Republik Vietnam”. Diese forderte unter ihrem Präsidenten Ho Chi Minh, dem Gründer und Führer der kommunistisch ausgerichteten “Liga für die Unabhängigkeit Vietnams”, des Vietminh, die uneingeschränkte Souveränität für ganz Vietnam und rief damit einen militärischen Konflikt mit Frankreich hervor, das seine Kolonialherrschaft in Indochina wiederherstellen wollte. Der Krieg brach im November 1946 aus, als französische Kriegsschiffe die Hafenstadt Haiphong beschossen, nachdem der Vietminh die französische Forderung nach Abzug aller seiner Truppen aus der Stadt ignoriert hatte; in der Folge konnten die Franzosen die Truppen des Vietminh bis westlich von Hanoi zurückdrängen.
1949 setzte Frankreich den vietnamesischen Kaiser Bao Dai, den der Vietminh 1945 abgesetzt hatte, in Saigon (heute Ho-Chi-Minh- Stadt) wieder als Staatschef der “Republik Vietnam” ein. Nach dem Sieg der Kommunisten im chinesischen Bürgerkrieg 1949 erhielt der Vietminh politische und militärische Unterstützung von China und konnte in Vietnam nach und nach an Boden gewinnen. Der Westen befürchtete nun – entsprechend der so genannten Dominotheorie – ein Übergreifen der kommunistischen, antikolonialen Bewegung auf die benachbarten Länder, weshalb die USA 1950 der französischen Bitte um Hilfe nachkamen und Frankreich umfangreiche finanzielle und logistische Unterstützung zukommen ließen.
1953 hatte sich der Vietminh im größten Teil Vietnams durchgesetzt und brachte am 7. Mai 1954 den französischen Truppen bei Dien Bien Phu im Norden Vietnams die entscheidende Niederlage bei. Am 21. Juli 1954 wurde auf der Genfer Indochinakonferenz ein Waffenstillstand zwischen dem Vietminh und Frankreich
geschlossen; der 17. Breitengrad wurde als vorläufige Demarkationslinie festgelegt, die Vietminh-Truppen zogen sich in den Norden zurück, die Franzosen und ihre Verbündeten in den Süden. Im Norden lebte die demokratische Republik Vietnam unter Ho Chi Minh weiter, im Süden die Republik Vietnam unter dem von den USA unterstützten Regierungschef Ngo Dinh Diem. Außerdem sah das Abkommen für 1956
gesamtvietnamesische Wahlen zur Wiedervereinigung des Landes vor. In der Folge des Genfer Abkommens verstärkten die USA, mit Zustimmung des Westens, ihr Engagement in Süd-Vietnam, um die Ausweitung des kommunistischen Staatssystems auf den Süden zu verhindern; Nord-Vietnam wurde von der Volksrepublik China sowie der Sowjetunion und den europäischen Ostblockstaaten unterstützt.
3. DER BEGINN DER ZWEITEN PHASE DES KRIEGES
1955 lösten die USA Frankreich als Schutzmacht in Süd-Vietnam ab. Mit amerikanischer Rückendeckung errichtete Ngo Dinh Diem ein autoritäres Regime, unterdrückte jede Art von Opposition, baute eine starke Armee auf und holte zahlreiche amerikanische Militärberater ins Land. Die für 1956 vorgesehenen gesamt- vietnamesischen Wahlen scheiterten am Widerstand Diems: Der Vietminh konnte sich in ganz Vietnam auf die
Zustimmung der Mehrheit der vor allem bäuerlichen Bevölkerung stützen, während Diems Regierung nur über eine äußerst schmale Basis verfügte. Diem lehnte die Wahlen ab mit dem Argument, dass im Norden die Meinungsfreiheit nicht gewährleistet und mit Wahlfälschungen zu rechnen sei.
Ab 1957 begann der südvietnamesische Vietcong (”vietnamesische Kommunisten”)
gegen Diems Regime und auch gegen amerikanische Militäreinrichtungen mit Guerillaaktionen vorzugehen; er konnte dabei auf die Unterstützung seitens Nord-Vietnams zählen und das Nachschubsystem aus den Zeiten des Indochinakrieges, den Ho-Chi-Minh-Pfad, nutzen. 1960 schuf sich der Vietcong in der “Nationalen Befreiungsfront von Süd-Vietnam” (Front National de Libération du Viet-Nam Sud, FNL) eine von Nord-Vietnam abhängige politische Organisation.
4. POLITISCHE UNRUHEN IN SÜD-VIETNAM
Angesichts der zunehmenden Angriffe des Vietcong bekräftigten die USA erneut ihre Unterstützung für Saigon. Im April 1961 unterzeichneten sie mit Süd-Vietnam einen Freundschafts- und Wirtschaftsvertrag, und ab Dezember verstärkte Präsident John F.Kennedy die militärische Präsenz der USA in Süd-Vietnam; Ende 1962 waren bereits 11.200 US-Soldaten in Süd-Vietnam stationiert, ein Jahr später zusätzliche 5.000.
Unterdessen sah sich das Diem-Regime zunehmend vom Vietcong bedrängt; der Vietcong hatte bald den größten Teil der ländlichen Gebiete Süd-Vietnams unter seiner Kontrolle und begann mit dem Aufbau einer eigenen Verwaltung, während sich die südvietnamesischen Regierungstruppen immer weiter zurückziehen mussten. Daneben setzten z. B. auch Buddhisten und Angehörige anderer weltanschaulicher und religiöser Gruppen, die von der Regierung unterdrückt wurden, deutliche Zeichen ihrer Opposition gegen das Regime in Form von Selbstverbrennungen.
Am 1. November 1963 wurde Diem in einem Militärputsch gestürzt und hingerichtet. Im Sommer 1971 belegte die Veröffentlichung der geheimen Pentagon Papers in den USA, dass die USA im Vorfeld von dem Putsch gewusst und sich bereits auf die Zusammenarbeit mit der Nachfolgeregierung vorbereitet hatten.
Nach weiteren Militärputschen und zehn verschiedenen Regierungen innerhalb von 18 Monaten, die alle am Widerstand des Vietcong scheiterten, übernahm Nguyen Van Thieu 1965 die Regierung; 1967 wurde er außerdem Staatspräsident.
5. DIE ZWEITE, DIE “AMERIKANISCHE” PHASE DES KRIEGES
Anfang August 1964 eskalierte der Krieg in Folge des so genannten “Tonking-Zwischenfalles”: Nordvietnamesische Torpedoboote hatten unter ungeklärten Umständen am 2. und 4. August zwei US-Zerstörer im Golf von Tonking angegriffen. Dem Angriff waren amerikanische Geheimoperationen gegen Nord-Vietnam vorausgegangen. Der Zwischenfall führte zur Verabschiedung einer Resolution durch den amerikanischen Kongress am 7.August 1964, in der dem Präsidenten Lyndon B. Johnson praktisch die
Generalvollmacht zur Kriegsführung gegen Nord-Vietnam erteilt wurde.
Im Februar 1965 begannen die USA mit systematischen Bombenangriffen auf strategisch wichtige, militärische und wirtschaftliche Ziele in Nord-Vietnam sowie auf den Ho-Chi-Minh-Pfad in Laos und Kambodscha, über den der Vietcong weiterhin seinen Nachschub aus dem Norden erhielt. Des Weiteren verstärkten die USA ihre Truppen in Vietnam auf 185.000 Mann Ende 1965 und 543.000 Ende 1968. Unterstützt wurden die USA außerdem von SEATO-Verbänden aus Australien, Neuseeland, Südkorea und anderen Staaten. Aber trotz ihrer zahlenmäßigen und materiellen Überlegenheit konnten die USA mit ihren südvietnamesischen und SEATO-Verbündeten keine eindeutige Entscheidung zu ihren Gunsten herbeiführen.
1965/66 signalisierten die USA mehrmals Verhandlungsbereitschaft; Nord-Vietnam lehnte jedoch ab. Im Juni 1967 traf sich Präsident Johnson mit dem sowjetischen Ministerpräsidenten Aleksej N. Kossygin in der vergeblichen Hoffnung, mit dessen Hilfe Hanoi an den Verhandlungstisch zu bringen. Zugleich wurden die Bombardements in Nord-Vietnam weitergeführt und sogar noch intensiviert; Wirtschaft und Infrastruktur Nord-Vietnams wurden weitgehend zerstört, so dass das Land schließlich fast vollständig auf Militär- und Wirtschaftshilfe aus China und der Sowjetunion angewiesen war. Im Süden gingen die USA mit massiven
Hubschraubereinsätzen gegen die Vietcong- Partisanen vor. Trotz großflächigen Bombardements mit Napalmbomben und des Einsatzes des Entlaubungsmittels Agent Orange gelang es ihnen aber nicht, den Gegner militärisch zu besiegen.
Im November 1967 gab das Pentagon die Gesamtzahlen der US-Verluste in Vietnam seit Ausbruch des Krieges 1961 mit 15.058 Toten und 109.527 Verwundeten an. Angesichts der steigenden Zahl der Opfer wurden in den USA Forderungen laut, den Krieg unter allen Umständen sofort zu beenden. Die finanziellen Aufwendungen beliefen sich nach Angaben des US- Präsidenten auf jährlich 25 Milliarden US-Dollar.
6. DIE TET-OFFENSIVE
Im Januar 1968 unternahmen nordvietnamesische und Vietcong-Truppen unter dem nordvietnamesischen General Vo Nguyen Giap die groß angelegte, überraschende Tet-Offensive (benannt nach dem Beginn der Offensive im Monat Tet des vietnamesischen Kalenders) auf zahlreiche südvietnamesische Städte, besonders Huë. Militärisch scheiterte die Offensive zwar, aber sie demonstrierte äußerst effektvoll die Schlagkraft Nord-Vietnams und war insofern politisch und psychologisch sehr erfolgreich.
Nach der Tet-Offensive verschärfte sich sowohl in den USA als auch weltweit die Kritik an der amerikanischen Vietnampolitik, insbesondere auch an dem Einsatz chemischer Kampfstoffe und an den Angriffen auf die Zivilbevölkerung, wie z. B. dem Massaker von My Lai. Bis zum Frühjahr 1968 hatte sich in den USA zudem die Erkenntnis durchgesetzt, dass der Krieg in Vietnam nicht zu gewinnen sei; die Verhandlungsbereitschaft war gestiegen – auch auf nordvietnamesischer Seite. Am 31. März verkündete Präsident Johnson das Ende der US- Luftangriffe auf Nord-Vietnam, das die Einstellung der Bombardierung als Bedingung für die Aufnahme von Friedensgesprächen gefordert hatte. Zugleich ließ Johnson verlautbaren, dass er sich einer Wiederwahl in das Präsidentenamt nicht stellen würde. Am 13. Mai 1968 nahmen die USA und Nord-Vietnam in Paris Waffenstillstandsverhandlungen auf, ab 1969 nahmen auch Süd-Vietnam und der Vietcong an den Verhandlungen teil. Ergebnisse wurden vorerst nicht erzielt. In Süd-Vietnam ging unterdessen der Krieg in unverminderter Härte weiter.
7. “VIETNAMISIERUNG” DES KRIEGES (1969-1971)
1969 legte Johnsons Nachfolger Richard M. Nixon, um die Beendigung des amerikanischen Engagements in Vietnam einzuleiten, wenige Monate nach seinem Amtsantritt sein Programm der “Vietnamisierung” des Krieges vor, d. h. des stufenweisen Abzugs von 90.000 US-Soldaten aus Vietnam bis Ende 1969, des Ausbaus der südvietnamesischen Streitkräfte und der sukzessiven Übertragung der Verantwortung für die Kriegsführung an die südvietnamesische Regierung. Die Pattsituation bei den Pariser Verhandlungen konnte jedoch weder durch den USTruppenabzug noch durch den Tod des nordvietnamesischen Staatspräsidenten Ho Chi Minh am 3. September 1969 überwunden werden. Nord-Vietnam forderte weiterhin als Verhandlungsgrundlage den völligen Abzug der US-Truppen aus Vietnam.
Im April 1970 fielen US-Truppen nach dem antikommunistischen Putsch des Generals Lon Nol zugunsten der neuen Regierung in Kambodscha ein, und 1971 bombardierten sie auch Laos, um einen möglichen nordvietnamesischen Vorstoß entlang des Ho-Chi-Minh-Pfades zu unterbinden. Beide Aktionen wurden international verurteilt, intensivierten die antiamerikanischen Proteste und waren zudem militärisch kaum erfolgreich.
8. PROTESTE IN DEN USA
In den USA formierte sich aus Protest gegen die amerikanische Kriegsführung eine breite Friedensbewegung. Mit Fortschreiten des Krieges verzeichnete sie einen wachsenden Zulauf, besonders nachdem Einzelheiten über die amerikanische Kriegsführung bekannt wurden: vor allem über von US-Soldaten an der vietnamesischen Zivilbevölkerung begangene Gräueltaten wie das Massaker von My Lai. Auch weltweit organisierten sich nun zunehmend Protestbewegungen.
1971 erfuhr die Vietnampolitik der USA durch die Veröffentlichung der so genannten Pentagon Papers (Geheimdokumente des amerikanischen Verteidigungsministeriums zur Vorgeschichte des US-Engagements in Vietnam) in der New York Times und anderen Zeitungen eine neue Interpretation: Die Unterlagen warfen ein völlig neues, und zwar ziemlich düsteres Licht auf die Kriegsführung und die Friedensbemühungen der USA in
den sechziger Jahren.
9. VERHANDLUNGSSTILLSTAND
Am 25. Januar 1972 legte Präsident Nixon einen Achtpunkteplan zur Wiederherstellungdes Friedens in Vietnam vor, der u. a. Präsidentschaftswahlen in Süd-Vietnam vorsah. Dem Friedensplan Nixons folgte eine überarbeitete Version des Friedensplanes des Vietcong vom Juli 1971; dieser neue Plan forderte den sofortigen Rücktritt des südvietnamesischen Präsidenten Thieu und sagte Verhandlungen mit der Saigon-Regierung zu, sofern diese ihre Kriegspolitik aufgäbe. Nord-Vietnam verlangte ebenfalls den sofortigen Rücktritt des südvietnamesischen Präsidenten. Außerdem sollten US-Kriegsgefangene erst dann freigelassen werden, wenn die USA ihr Engagement in Vietnam beendet hätten. Am 23. März wurden die Verhandlungen in Paris abgebrochen. Am 30. März startete Nord-Vietnam eine breit angelegte Offensive bis in die Provinz Quang Tri im Süden. Im April reagierten die USA mit einer Gegenoffensive in Form von verheerenden Bombenangriffen auf Nord-Vietnam, und am 8. Mai 1972 ordnete Präsident Nixon die Verminung der wichtigsten nord-vietnamesischen Häfen, darunter Haiphong, an, um die Versorgungswege des Vietcong zu unterbrechen. Mit beiden Aktionen beabsichtigten die USA, Nord-Vietnam unter Druck zu setzen und zu Zugeständnissen zu zwingen.
10. ERNEUTE ESKALATION
Ab dem 8. Oktober 1972 fanden zwischen dem amerikanischen Sicherheitsberater Henry Kissinger und dem nordvietnamesischen Unterhändler Le Duc Tho vertrauliche Friedensgespräche in Paris statt. Ein Durchbruch wurde erzielt, als Nord-Vietnam einem Friedensplan zustimmte, der getrennte Vereinbarungen für den militärischen und den politischen Bereich vorsah, von seiner Forderung nach einer Koalitionsregierung in Süd-
Vietnam Abstand nahm und gleichzeitig Verhandlungen über Laos und Kambodscha zustimmte. Am 26. Oktober gab Kissinger einen Neunpunktefriedensplan bekannt, in dem allerdings technische Fragen ungelöst blieben, und den der südvietnamesische Präsident Thieu als Verrat bezeichnete.
Mit der Wiederaufnahme der Gespräche zwischen Kissinger und Le Duc Tho am 4.Dezember 1972 war seit dem Beginn der Pariser Verhandlungen 1968 erstmalig das Zustandekommen eines Abkommens in Sicht.
Am 16. Dezember stagnierten die Verhandlungen jedoch erneut, und zwei Tage später ordnete Nixon die massive Bombardierung von Hanoi und Haiphong an; diese Angriffe galten als die schwersten des
Vietnamkrieges und schockierten die Bevölkerung nicht nur in den USA.
11. VORLÄUFIGER FRIEDEN
Anfang 1973, nachdem die USA ihre Angriffe nördlich des 20. Breitengrades eingestellt hatten, wurden in Paris die Friedensgespräche weitergeführt. Nach sechstägigen Beratungen zwischen Kissinger und Le Duc Tho gab Nixon am 23. Januar 1973 bekannt, dass ein offizielles Waffenstillstandsabkommen erreicht worden sei.
Am 27. Januar unterzeichneten die Vertreter der USA, Süd-Vietnams, Nord-Vietnams und der Provisorischen Revolutionsregierung Süd-Vietnams ein Abkommen zur Beendigung des Krieges und zur Wiederherstellung des Friedens in Vietnam. Der Waffenstillstand trat offiziell am 28. Januar 1973 in Kraft.
Das Waffenstillstandsabkommen forderte die vollständige Einstellung sämtlicher Kampfhandlungen, den Abzug der gesamten Truppen der USA und ihrer Verbündeten innerhalb von 60 Tagen nach Unterzeichnung des Abkommens, die Herausgabe der Kriegsgefangenen beider Seiten innerhalb von ebenfalls 60 Tagen, die Anerkennung der entmilitarisierten Zone als einer nur provisorischen und nicht politischen oder territorialen
Grenze, die Einsetzung einer internationalen Kontrollkommission zur Überwachung der Einhaltung des Friedens; außerdem sollte ein “Nationaler Versöhnungsrat” aus Vertretern der südvietnamesischen Regierung unter Nguyen Van Thieu, der Provisorischen Revolutionsregierung der FNL sowie anderer Oppositionsgruppen zusammentreten, um allgemeine Wahlen in Süd-Vietnam vorzubereiten; diese Verhandlungen scheiterten jedoch. Das Abkommen gestattete außerdem den weiteren Verbleib von 145.000 nordvietnamesischen Soldaten in Süd-Vietnam.
12. DIE DRITTE PHASE DES KRIEGES: DER BÜRGERKRIEG
Bis Ende März 1973 hatten die USA alle ihre Truppen aus Vietnam abgezogen, Süd-Vietnam jedoch weitere wirtschaftliche und militärtechnische Hilfe zugesagt. In Vietnam gingen die Kämpfe zwischen kommunistischen Einheiten und südvietnamesischen Regierungstruppen trotz des Waffenstillstandsabkommens weiter; beide Seiten suchten ihre Gebiete zu verteidigen bzw. auszuweiten. Ende 1974 begannen die nordvietnamesischen Truppen eine Großoffensive gegen den Süden; die südvietnamesischen Truppen, jetzt ohne die Unterstützung seitens der USA, mussten sich nach und nach zurückziehen, und nach dem Fall von Huë Mitte März 1975 war der Krieg für Süd-Vietnam verloren. Am 21. April trat Präsident Nguyen Van Thieu zurück, am 30.April wurde Saigon eingenommen, und am selben Tag kapitulierte Süd-Vietnam gegenüber der Provisorischen Revolutionsregierung der FNL. Am 2. Juli 1976 wurde mit der Errichtung der Sozialistischen Republik Vietnam der gesamtvietnamesische Staat wieder hergestellt.
13. AUSWIRKUNGEN
Im Vietnamkrieg wurden schätzungsweise zwei Millionen Vietnamesen getötet, drei Millionen verwundet und Hunderttausende von Kindern als Waisen zurückgelassen; etwa zwölf Millionen Menschen verloren ihre Heimat. In den von politischer Repression und massiven wirtschaftlichen Schwierigkeiten gekennzeichneten Nachkriegsjahren von 1975 bis 1982 emigrierten rund 11.218.000 Vietnamesen und ließen sich in über 16 anderen Ländern nieder. Etwa 500.000 Vietnamesen, die so genannten Boat people, versuchten, in kleinen Booten über das Südchinesische Meer aus Vietnam zu entkommen; viele kamen dabei um. Jene, die überlebten, sahen sich selbst in den Ländern, die zuvor Vietnamesen aufgenommen hatten, mit Einwanderungsverboten oder zumindest –beschränkungen konfrontiert.
Das Land Vietnam selbst wurde aufs schwerste in Mitleidenschaft gezogen: Die Flächenbombardements hatten Wirtschaft und Infrastruktur zerstört, und der großflächige Einsatz von Napalm und Entlaubungsmitteln verursachte verheerende, zum Teil irreparable ökologische Schäden.
Auf amerikanischer Seite fielen insgesamt etwa 57.000 Soldaten und etwa 153.000 wurden verwundet.
Die Kuba-Krise 1962
Quelle: http://getnetwork.piranho.de/files/wissen/geschichte/gkubakrise_g.htm
Vorwort:
Die Bezeichnung Kubakrise hört man in Fernsehsendungen und Reportagen immer in dem Zusammenhang eines fast ausgebrochenen dritten Weltkrieges. Aber warum die Krise zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und der Sowjetunion im Oktober 1962 ausbrach und weshalb ein dritter Weltkrieg damit assoziiert wird war mir nicht genau bekannt. Um meine Unwissenheit zu bereinigen und um mich in internationaler Politik weiterzubilden wählte die Kubakrise als Thema für meine Jahresarbeit. Denn schließlich kann es nie verkehrt mehr über ein geschichtliches Ereignis zu wissen, dass fast den dritten Weltkrieg hervorgerufen hätte. Zudem kann ich mich im Zusammenhang mit der Kubakrise auch über den „Kalten Krieg“ informieren, welcher zwar allseits als Begriff bekannt ist, doch dessen Ausmaße und Ereignisse weit weniger Menschen bekannt sind. Insgesamt hoffe ich mit dieser Jahresarbeit über eine Zeit zu informieren welche die zweite Hälfte zu einem großen Teil charakterisierte und beeinflusste. Aktuelle Konflikte zwischen den USA und der Sowjetunion versuche ich durch diese geschichtlichen Gründe zudem besser zu verstehen. Aus all den genannten Gründen wählte ich die Kubakrise von 1962 zum Inhalt meiner Jahresarbeit und hoffe meine Vorhaben und Interessen zu erfüllen bzw. zu sättigen.
Vorgeschichte zur Kubakrise:
John F. Kennedy wird 1961 als Präsidentschaftskandidat der Demokratischen Partei zum bis dahin jüngsten Präsidenten der USA gewählt. Kennedy wollte mit seiner Politik Zeichen setzen und den sowjetischen Einflussbereich enorm eindämmen oder zurückdrängen. Da Europa bereits unter dem eisernen Vorhang lag, war für Kennedy klar, dass die Aus¬ein¬ander¬setzungen in der dritten Welt stattfinden wird. Dass dabei der karibische und mittelamerikanische von besonderer Bedeutung ist, ist logisch. Das kommunistische Kuba, dass seit 1959 vom Diktator Fidel Castro regiert wird, stellt beim Kalten Krieg zwischen den Systemen eine klare Niederlage dar. Denn mit Kuba hatten die USA den Kommunismus direkt vor der ei¬genen Haustüre. Die Signalwirkung die vom kommunistischen Kuba und seiner revo¬lutio¬nären Bewegung ausging wollte Kennedy von den mittelamerikanischen Ländern fernhalten, um sie eher für seine als für die Zwecke des Kommunismus zu gewinnen. Um dies zu er¬reichen stockten die Amerikaner von 1956 bis 1961 ihren Rüstungsetat um 30 Milliarden Dollar auf. Die Sondereinheit des amerikanischen Militärs, die spezial forces, welche be¬sonders für den Einsatz in Entwicklungsländern ausgerüstet und ausgebildet waren, wurden um 800 Prozent aufgestockt. Mit dieser militärischen Macht wollten sie zur Unterdrückung möglicher Putschversuche, wie dem in Kuba, gewappnet sein.
In der Frage um die Weiterbehandlung des kommunistischen Kubas gab es zwei verschiedene Meinungen. Die Radikalen forderten eine offene Militärintervention der USA auf Kuba und die Modernisten plädierten für Sabotageaktionen auf Kuba, welche dem Sturz Fidel Castros dienen sollte. Doch keine der beiden Blöcke wollte das Problem Kuba politisch und diplo¬ma¬tisch behandeln.
Bereits unter Präsident Eisenhower wurden Exilkubaner rekrutiert und militärisch ausgebildet. Diese sollten dann für eine Invasion Kubas verwand werden. Diese Pläne für eine Invasion Kubas wurden auch von Kennedy weiterverfolgt.
Am 14. April 1961 gab Kennedy dann den befehl zur Invasion. Drei Tage später landeten dann ca. 1300 Exilkubaner an der Bahìa de Cochinos (Schweinebucht). Sie waren mit amerikanischen Waffen ausgerüstet und standen unter der Leitung des CIA (Central Intelligence Agency). Diese Truppe von Exilkubaner bezeichnete man als Brigade 2506. Die Aufgabe dieser Truppe bestand darin auf Kuba einen Volksaufstand zu inszenieren welcher den Sturz Fidel Castros herbeiführen sollte. Die Invasion scheiterte allerdings, da die Exilkubaner frühzeitig von kubanischen Soldaten entdeckt und in Kämpfe verwickelt wurden. Zwei Tage später mussten sie aufgeben und 1100 Exilkubaner gerieten in kubanische Gefangen¬schaft. Sie wurden erst nach Lebensmittel- und Medikamentenlieferungen im Wert von 50.000 Millionen Dollar wieder frei gelassen. Das Geld dafür wurde von privaten Gruppen in den USA gesammelt.
In den USA warf man Kennedy und dem CIA nach dem Scheitern der Invasion in der Schweinebucht vor, dass sie die Invasion zu wenig vorbereitet und die Exilkubaner auf Kuba zu wenig unterstütz hat. Denn schließlich hatten die USA Invasionstruppen bereit stehen. Sie wollten diese nur nicht einsetzen, da sie mit einem sowjetischen Gegenschlag in West-Berlin für eine Invasion Kubas durch die USA rechneten. Trotz der verschärften Kritik im eigenen Land wollte Kennedy in seiner Außenpolitik Stärke und Entschlossenheit zeigen. Deshalb sagte er auch noch im gleichen Monat, dass die USA das kommunistische System in Kuba nie anerkennen wird und er droht Kuba, dass eine Invasion Kubas durch die USA durchgeführt wird, falls dies für die Sicherheit der USA notwendig sei.
Durch die Invasion in der Schweinebucht veränderte sich auch das Verhältnis zwischen USA und Sowjetunion drastisch. War man vorher in Richtung Entspannung unterwegs änderte sich die Richtung nach dem Scheitern in Richtung Konfrontation. Denn Kuba war ja ein Verbündeter der Sowjetunion und Anhänger des kommunistischen Systems, und die USA hatten diesen Verbündeten zwar nicht direkt, dafür aber indirekt, nämlich über Exilkubaner, angegriffen.
Aus Angst vor einer Invasion Kubas durch die USA begann Kuba im Sommer 1961 Verhand¬lungen mit der Sowjetunion über eine militärische Unterstützung Kubas durch die SU. Die kurz darauf folgenden sowjetischen Waffenlieferung riefen in der amerikanischen Be¬völkerung zwar Bestürzen, aber noch keine Angstgefühle hervor. Denn wie es schien waren die eingegangen Waffenlieferungen lediglich Waffen mit defensiven Nutzen. Das sich Kuba durch die Unterstützung der Sowjetunion zu einer ernstzunehmenden Streitkraft in Mittelamerika entwickeln konnte war jedoch auch jedem klar.
Weil sich das politische Klima in den USA in den Monaten nach dem Scheitern der Invasion in der Schweinebucht zu den radikalen hin wandte, begann im November 1961 die Operation “Mongoose“. Das Ziel dieser Operation war es getarnte Einsätze in Kuba zu planen und durch¬zuführen, welche den Kommunismus auf Kuba zum Sturz bringen sollten. Zu den Leitern dieser Operation gehörten auch führende Berater Kennedys.
Bereits im April 1962 begann die USA auch Pläne für alle vorstellbaren Konflikte in und um Kuba auszuarbeiten. Damit wollten sie für jede sich bietende Chance Kuba anzugreifen ge¬rüstet sein.
Diese Chance bot sich ihnen dann auch im Spätsommer des Jahres 1962.
Der Verlauf der Kubakrise:„Die beiden mächtigsten Nationen der Welt waren zum Kampf gegeneinander angetreten, jede mit dem Finger auf dem Knopf. Man hatte gedacht, dass ein Krieg unvermeidlich war. [...]. Doch die Episode endetet mit einem Triumph des gesunden Menschenverstandes.“ (1) Dieses Zitat von Nikita Chruschtschow, dem damaligen Generalsekretär der KPdSU und Ministerpräsident der Sowjetunion, verdeutlich meiner Meinung nach sehr gut die Situation die im Oktober zwischen den beiden Großmächten USA und Sowjetunion vorherrschte.
Am 22. August 1962 wurde John F. Kennedy, der seit November 1960 Präsident der USA war, durch den Chef des CIA, John McCone, über die Ankunft von über 5000 sowjetischen Staatsbürgern, sowie über die Ankunft von einer Vielzahl sowjetischer Schiffe informiert. Die Ladung der sowjetischen Schiffe wurde nicht von kuba¬nischen Dockarbeitern, sondern von sowjetischen Arbeitern gelöscht, was eigentlich sehr unüblich war. Zudem lagen Informationen von kubanischen Flüchtlingen vor, die von Last¬wagen berichteten, welche mit langen, röhrenförmigen Gegenständen beladen waren. Aus all diesen Berichten schluss¬folgerten die Amerikaner, dass die Sowjetunion Boden-Luft-Raketen und Radar¬stationen zur Verteidigung und zur Flugzeugabwehr über Kuba stationieren wollte.
Dass die Sowjets aber bereits vor ein bis zwei Monate, also bereits im Sommer, mit einer Stationierung von Raketen begonnen haben zeigt, dass die Geheimhaltung des Projekts sehr streng war. Chruschtschow versprach sich von dieser Stationierung einen strategischen Vorteil gegenüber der USA, da er mit diesen Raketen amerikanische Großstädte wie Chicago, New York und Detroit erreichen konnte. Zudem wollte er einer möglichen Invasion Kubas durch die USA vorbeugen. Dazu kommt noch, dass die Sowjetunion bei einer Invasion Kubas im Zuge der Berlin Krise West-Berlin besetzt hätte.
Ohne dieses Wissen folgerte die USA jedoch, dass das eigentliche Ziel der Sowjets eine Stationierung von Mittelstreckenraketen sein sollte, welche gegen die USA gerichtet sein sollten. Dieses Ziel erschien auch logisch, da die Sowjetunion bis dahin noch kein Druckmittel gegen die USA an sich hatte. Denn im Gegensatz zu den USA hatte die Sowjetunion nirgends Mittel¬strecken¬raketen stationiert mit denen sie dem Territorium der USA hätten gefährlich werden können. Die USA besaßen jedoch seit 1957 solche Raketen in der Türkei (siehe Ab¬bil¬dungen 1 u. 2). Die Amerikaner hatten diese damals installiert, weil sie sich aufgrund des sowjetischen Sieges in der Raumfahrt, dem Sputnik, im Nachteil sahen und wieder mit der Sowjetunion gleichziehen wollten.
Hätte die Sowjetunion nun also auf Kuba solche Mittelstreckenraketen stationiert hätten sie einen großen Teil der USA mit Raketen ansteuern können und hätten somit mit den USA gleichgezogen. Trotz dieser Überlegungen war man sich auf amerikanischer Seite über den Zweck dieser Stationierung nicht sicher. Denn schließlich hätte sie auch nur zur innen¬politischen Stabilisierung des seit 1959 unter der kommunistischen Diktatur Castro stehenden Kubas dienen können. Eine solche Stabilisierung wollte man jedoch auch verhindern, da man etwaige Putschversuche hin zum Kapitalismus nicht behindern wollte. Zudem erhoffte man sich noch insgeheim eine Invasion Kubas. Aus all diesen Gründen warnte Kennedy am 04. September 1962 die Sowjetunion öffentlich vor einer Stationierung von offensiv ausgerichteten Boden-Boden-Raketen, das heißt Mittelstrecken¬raketen, auf Kuba. Zu diesem Zeitpunkt erarbeiteten die USA bereits Pläne für eine mögliche Invasion Kubas und für Luftangriffe auf Kuba zur Zerstörung der Basen aus. Das Ziel der USA war es, dass man ab dem 20. Oktober 1962 aus dem Stand heraus, dass heißt ohne große Vorbereitungen, einsatzfähig war. Weiterhin legte man sich bereits Rechtfertigungen für solche Aktionen vor der UNO und den eigenen Verbündeten bereit. Man wollte sich also für alle möglichen Fälle rüsten. Am 26. September 1962 wurde Kennedy durch den amerikanischen Kongress eine politische Blankovollmacht für jede Art der militärischen Intervention auf Kuba erteilt. Damit hatte er völlig freien Handlungsspielraum in dieser Krise.
Zu Anfang des Oktobers 1962 wurde der Oberbefehlshaber der amerikanischen Atlantikflotte, Admiral Dennison, durch den amerikanischen Verteidigungsminister McNamara beauftragt Pläne für eine mögliche Seeblockade gegen Kuba auszuarbeiten. Durch diese frühe Planung wollte die USA in der Lage sein, schneller auf mögliche weitere Reaktionen und Aktionen aus Moskau reagieren können. Denn zu diesem Zeitpunkt wusste die USA nichts genaueres über die stationierten Waffen, da das Wetter für die U-2 Aufklärungsflugzeuge (siehe Abbildung 3) zu schlecht war. Aufklärungsflüge waren unmöglich, da die Flieger sehr tief hätten fliegen müssen, und das Risiko entdeckt und abgeschossen zu werden einfach zu groß war. Zudem wollte man den Sowjets nichts davon wissen lassen, dass man bereits über Raketen¬statio¬nierungen auf Kuba bescheit weiß.
Am 15. Oktober 1962 riss die Wolkendecke über Kuba dann endlich auf und die U-2 Aufklärer konnten endlich eindeutige Fotos von den Raketenabschussbasen machen (siehe Abbildung 4,5,6,7,8,9,10). Durch diese Fotos war den Amerikanern auch klar, dass die Sowjets auf Kuba Mittelstreckenraketen mit nuklearen Sprengköpfen installiert haben. Dieses Datum wird auch offiziell als Beginn der Kubakrise genannt.
Unter größter Geheimhaltung wurde dann am 16. Oktober 1962 das Executive Committee of the National Security Council, kurz ExComm, durch John F. Kennedy gegründet. Dieses Gremium sollte den Präsident in Sachen Kubakrise beraten und unterstützen. Es bestand aus Regierungsmitglieder und ausgewählten Beratern des Präsidenten. Gleichzeitig sollte es noch Pläne für alle möglichen Gegebenheiten ausarbeiten. Das Problem dabei war, dass durch die sichere Existenz solcher Raketen ein Angriff auf Kuba nicht einfach so möglich, da man nicht für die Sicherheit der amerikanischen Bevölkerung garantieren konnte. Zu diesem Zeitpunkt wussten die Amerikaner ja schließlich nicht ob die Raketen einsatzbereit sind oder nicht, und wenn sie es sind unter welchem Kommando sie stehen, sowjetischen oder kubanischen, und ob sie atomar bestückt sind oder nicht.. Aus diesen Gründen gab es im ExComm vier Lösungs¬optionen. Erstens ein rein diplomatisches Vorgehen über die UNO oder den sowjetischen Außenminister, als zweites die Errichtung einer Blockade, drittens eine gezielte Bombardierung der Raketenabschussrampen durch die amerikanische Luftwaffe und viertens die komplette Invasion Kubas durch amerikanische Invasionstruppen.
Am 18. Oktober 1962 kam es zum Routinebesuch des sowjetischen Außenministers Gromyko. Dieser Besuch hätte eine gute Chance geboten die bevorstehende Krise baldmöglichst und friedlich beizulegen. Dadurch, dass Gromyko bei seinen Gesprächen klare Andeutungen über die Vorgänge auf Kuba machte wäre es für die USA einfach gewesen die Krise beizulegen. Kennedy gab jedoch nicht zu erkennen, dass er bereits über die Vorgänge auf Kuba bescheit wusste. Durch die Anspielungen Gromykos war für die USA nun auch klar welchem Land sie die Raketen zuordnen können, nämlich der Sowjetunion. Kennedy legte die Krise zu diesem Zeitpunkt noch nicht bei, da eine friedliche und diplomatische Beilegung der Krise im ExComm nicht erwünscht war. Der ExComm wollte immer noch das kom¬munis¬tische Regime Castros auf Kuba beseitigen, und die sowjetischen Waffenlieferungen an Kuba sowie die Raketenstationierungen boten einen idealen Vorwand für ein solches Unterfangen. Gromyko klagte zudem noch an, dass die USA der Sowjetunion noch keine Informationen über die Länder in denen sie Atomwaffen gelagert und stationiert haben zugekommen lassen habe. Er machte auch klar, dass Kuba bei einer Invasion durch die USA on der Sowjetunion militärisch unterstützt werden würde. Solchen Pläne der USA seien ihm einfach so zu Ohren gekommen. D. h. das der sowjetische Geheimdienst von Invasionsplänen der USA gewusst hat.
Um ihre Stärke zu zeigen und ihre Entschlossenheit zu demonstrieren zündeten die Sowjets am 19. Oktober 1962 eine Wasserstoffbombe, welche die 2500-fache Sprengkraft der amerikanischen Hiroshima-Bombe hatte.
Der ExComm entscheidet sich bereits 20. Oktober 1962 für die Durchführung einer See¬blockade um Kuba zur Stoppung der sowjetischen Waffenlieferungen. Damit entschloss sich Kennedy gegen einen Luftangriff gegen Kuba, da dieser ein unkalkulierbares Risiko gewesen wäre. Denn man rechnete immer noch mit einem Gegenschlag der Sowjetunion in West-Berlin. Mit dieser Blockade wollte man die sowjetische Regierung reizen und sie zu unbedachten Handlungen treiben. Auf diese Handlungen hätte man dann militärisch reagieren können ohne als Aggressor dazustehen. Für eine solche militärische Aktion wären die USA durch das frühe Ausarbeiten von diversen Angriff- und Invasionsplänen auch gut vorbereitet gewesen. Diese Seeblockade und die gleichzeitige Forderung nach dem sofortigen Abbau der sowjetischen Raketen auf Kuba ohne eigene Gegenleistungen wurden dann am 22. Oktober durch J. F. Kennedy über den Rundfunk veröffentlicht. Diese Seeblockade tarnte man als „Quarantäne“, da die USA Mitglied der UNO war, und in dessen Grundsätzen eine Blockade nur gegen Friedensbrecher möglich ist.
Da die Verbündeten in Europa die Reaktion der USA auf diese Raketenstationierung für eine Überreaktion hielten, wurden Vertreter dieser zu einem Hintergrundgespräch für Journalisten eingeladen. In diesem erzählte wurde ihnen erzählt, dass die USA bis zum 21. Oktober nichts von einer Raketenstationierung gewusst hätten, und dass sie nun gegenüber der Sowjetunion unter enormen Zugzwang stehen. Da es nun wie eine schwerwiegende Notlage für die USA aussah konnten die europäischen Verbündeten ihre Unterstützung nicht untersagen.
Während all dieser Ereignisse hatte die US – Navy bereits mit dem Ziehen eines Blockaderings begonnen der aus über 100 Schiffen bestand und 500 Seemeilen vor der kubanischen Küste gezogen wurde.
Auf die Forderungen Kennedys in der Rundfunkansprache reagierte die Kremlspitz mit einem offenen Brief an die USA, in dem sie die Forderungen Kennedy ablehnte, die Blockade als Piraterie verurteilte und den defensiven Nutzen der Raketen bekräftigte. Die praktische Umsetzung der Blockade beginnt jedoch erst um ca. 10 Uhr am Morgen des 24. Oktobers 1962.
Am gleichen Tag kommt es zu einem Höhepunkt der Krise an dem die Krise kurz davor war zu einem Krieg zu eskalieren. Zwei sowjetische Schiffe, die Gagarin und die Komiles, ein U-Boot und etwa 20 weitere sowjetische Schiffe befanden sich kurz vor dem durch die USA gezogenen Blockadering. Kurz vor Erreichen des Sperrgürtels wurden sie jedoch durch die Kremlspitze in Moskau zurückbeordert. Wäre dies nicht geschehen, hätten die Amerikaner versucht die Schiffe mit aller Gewalt aufzuhalten und der Kalte Krieg wäre zu einem offenen Krieg eskaliert.
Am gleichen Tag kommt es auch noch zu einem Lösungsvorschlag für die Krise durch den UN-Generalsekretär Sithu U Thant. Dieser beinhaltet eine Denkpause für beide Parteien von zwei bis drei Wochen, in welchen die Sowjetunion Kuba nicht mit Waffen beliefern darf und die USA ihre Blockade aufheben muss. Chruschtschow akzeptiert diesen Vorschlag, doch Kennedy lehnt ihn ab. Er stellt dafür aber den amerikanischen UN-Botschafter Stevenson für Sondierungsgespräche zur Verfügung. Dieser kommt am 26. Oktober 1962 nach Moskau um seine Instruktionen für die Gespräche zu holen. Er macht aber auch selbst Vorschläge, welche der Sowjetunion trotz eines Raketenabzuges geholfen hätten ihr Gesicht zu bewahren und eine dauerhafte Entspannung im Kalten Krieg hervorgebracht hätten. Diese wurden aber strikt vom ExComm abgelehnt da man auf solche Ziele gar nicht aus war. Man gab Stevenson hingegen folgende Forderung als Ziele mit. Die Sowjetunion sollte ihre Raketen abziehen, Kuba nicht mehr mit Waffen beliefern und auf Kuba sollte ein 3500 Mann starkes Beobachtungsteam stationiert werden, welches den Abzug der Raketen beobachten sollte. Für all diese Forderungen wollte man wiederum keine eigenen Gegenleistungen anbieten. Dass ein Erfolg der Gespräche durch solche übertriebenen Forderungen von vornherein ausgeschlossen war ist offensichtlich.
Am 26. Oktober 1962 erhält Kennedy auch den ersten persönlichen Brief von Chruschtschow, in dem er die Amerikaner und ihre Seeblockade nochmals als Piraterie anklagt. Ein paar Stunden später erreicht Kennedy ein weiterer Brief von Chruschtschow der eher versöhn¬lichere Töne anklingen lässt. In diesem bietet Chruschtschow den Abbau aller sowjetischen Anlagen auf Kuba an, wenn die USA versprächen Kuba niemals anzugreifen. Auf diesen Brief folgt im ExComm eine lange Diskussionsrunde über die Reaktion auf diesen. Diese Ge¬spräche werden letztendlich auf den nächsten Tag, den 27. Oktober 1962 ver¬schoben. Am Morgen des 27. Oktobers 1962 erreicht Washington jedoch eine weitere Note aus Moskau. In dieser schlug die Sowjetunion eine Art Tauschgeschäft vor. Die Sowjets würden ihre Raketen aus Kuba abziehen, wenn die Amerikaner ihre Jupiter-Raketen aus der Türkei abziehen würden. Da dieser Vorschlag sehr gerecht und fair erschien, war er in der Öffentlichkeit und vor den verbündeten nur sehr schwer abzulehnen. Dennoch entschließt sich der ExComm auf das sowjetische Angebot nicht einzugehen, da man den Abzug dieser Raketen als ver¬antwor¬tungslos gegenüber den europäischen Verbündeten einschätzte. Zwei Stunden nach dem Ein¬treffen der Note aus Moskau nimmt man Stellung zu dieser. Man lehnt sie ab und fordert hingegen die sofortige Einstellung der Arbeiten an den kubanischen Stützpunkten, eine Ent¬schärfung der offensiven Waffensysteme unter internationaler Kontrolle und die Stoppung der Waffenlieferungen an Kuba, bevor überhaupt über Lösungsvorschläge verhandelt werden kann. Diese Forderungen wurden auch dem UNO-Generalsekretär vorgelegt, der die Reaktion der Sowjetunion auf diese Forderungen einholen sollte. Mit der schnellen Reaktion der Amerikaner innerhalb weniger Stunden wollte Kennedy Chruschtschow zeigen das ein Spiel auf zeit zwecklos ist und er wollte der amerikanischen Öffentlichkeit die Entschlossenheit der Regierung beweisen.
Der Abschuss eines amerikanischen U-2 Aufklärungsflugzeuges am 27. Oktober 1962 stellt den zweiten Höhepunkt der Kubakrise dar. Denn die normale Reaktion der USA auf einen solchen Abschuss hätte einen amerikanischen Luftangriff auf die Raketenbasen zur Folge haben müssen. Es ist lediglich John. F. Kennedy zu verdanken das kein offener Krieg ausgebrochen ist. Er wollte noch ein letztes mal ver¬suchen die Krise friedlich beizulegen. Dieser Höhepunkt wurde jedoch noch durch die Meldung des FBI (Federal Bureau of Investigation) verstärkt, dass in der sowjetischen Botschaft in New York alles dafür vorbereitet ist die Geheimakten zu verbrennen. Diese Vorbereitungen werden eigentlich nur einen Tag vor Ausbruch eines Krieges getroffen, damit der Feind keine Geheiminformationen aus der Botschaft erhalten kann.. Die Kubakrise stand also ein zweites mal kurz vor der Eskalation zum offenen Krieg.
Am Abend des 27. Oktobers 1962 stellten die USA ein weiteres Ultimatum über die Fernsehkanäle an Moskau. Mit dem in den Forderungen verwandten Ausdruck ließen die USA keinen Zweifel über ihre Entschlossenheit. Sie machten damit klar, dass sie bis zum Äußersten, also einem militärischen Konflikt gehen würden. In diesen Forderungen verlangten sie die sofortige Einstellung der Arbeiten an den Raketenbasen und die sofortige Entschärfung aller Offensivwaffen auf Kuba. Zudem sollten die Sowjets ihre Forderung nach einem Tauschgeschäft sofort fallen lassen und auf ihr ursprüngliches Angebot vom 26. Oktober 1962 zurückkommen. Dadurch, dass die USA die Sowjetunion durch den groben Befehlston in den Forderungen stark in die Ecke trieb, wollten die USA erreichen, dass die Sowjetunion unbewusste und unkluge Handlungen veranlasst, welche dann wiederum als Vorwand für einen amerikanischen Angriff auf Kuba dienen sollte.
Obwohl Kennedy dieses Ultimatum durch seine Zustimmung autorisiert hatte war er mit der Entwicklung dieser Krise nicht einverstanden. Aus diesem Grund traf er sich nach der Sitzung des ExComm am Abend des 27. Oktober 1962 mit einem auserwählten Kreis seiner loyalsten Berater um doch eine friedliche Beilegung der Krise zu erarbeiten. Ausgenommen waren dabei alle militärischen Berater, da diese ja nur auf eine militärische Eskalation der Krise aus waren. Zwei bekannte dieses keinen Kreises waren McNamara und J. F. Kennedys Bruder, Robert F. Kennedy. An diesem Abend traf dieser Kreis mehrere wichtige Entscheidungen. Die wichtigste aber war wohl, dass Robert Kennedy noch einmal Kontakt zum sowjetischen Botschafter Dobrynin in Washington sucht. Dieses Treffen zwischen R. Kennedy und dem sowjetischen Botschafter stellte die letzte Chance für ein friedliche Beilegung der Krise dar. Das Treffen zwischen den beiden fand auch noch am selben Abend statt und Dobrynin wird durch R. Kennedy über die Entscheidungen informiert. Bei dem treffen betont R. Kennedy noch einmal den Ernst der Lage und sagt, dass Chruschtschow spätestens am nächsten Tag einlenken müsse um einen offenen militärischen Konflikt doch noch abzuwenden. Um die Entscheidung Chruschtschows noch zu beschleunigen stellte R. Kennedy Dobrynin auch den Abzug der Jupiter-Raketen in der Türkei in Aussicht. Er gab Dobrynin jedoch zu verstehen, dass dieser Abzug nicht als offizielles Zugeständnis der USA gegenüber der Sowjetunion zugerechnet werden soll. Die einzige offizielle Gegenleistung der USA für die Erfüllung der Forderungen sollte das versprechen auf den Gewaltverzicht gegenüber Kuba sein.
Dadurch, dass die Sowjets von einem bereitstehenden amerikanischen Invasionsheer in Florida und der höchsten Alarmbereitschaft der amerikanischen Luftwaffe informiert war, war man sich auch in Moskau dem Ernst der Lage durch aus bewusst. Die Aufstellung dieses Invasionsheeres wurde von den USA unverschlüsselt und öffentlich vollzogen, da man der Sowjetunion somit signalisieren wollte, dass man für alle Fälle gerüstet ist.
Die Sowjetunion wollte das kommunistische Kuba mit Fidel Castro an der Spitze verteidigen und eine militärische Eskalation vermeiden und stimmte am 28. Oktober 1962 dem ameri¬kanischen Ultimatum zu. Diese Zustimmung erfolgt öffentlich über den Rundfunk. Mit dieser Zustimmung begann gleichzeitig der Abbau und Rücktransport der sowjetischen Raketen auf Kuba.
„Formell wurde der Konflikt im Januar 1963 durch eine gemeinsame Note der USA und der UdSSR an den Generalsekretär der UNO beendet.“ (2)
Die letzten sowjetischen Soldaten verließen Kuba jedoch erst 1993.
Auswirkungen der Kubakrise auf den Kalten Krieg:
Die Kubakrise hatte mehrere tiefschürfende Auswirkungen auf den Kalten Krieg. Zum einen war sie der Höhepunkt des Kalten Krieges, denn nie davor und nie danach stand die Welt so knapp vor einem dritten Weltkrieg wie in diesen 13 nervenaufreibenden Tagen im Oktober 1962. Durch diesen fast ausgebrochenen nuklearen Krieg wurde sich die Menschheit der Gefahr eines die Welt zerstörenden atomaren Weltkrieges bewusst. Diese Erkenntnis führte dann auch zum langsamen Einsetzen einer Entspannung zwischen den zwei Supermächten USA und Sowjetunion.
Ein Zeichen für diese Entspannungspolitik war die Einrichtung des “heißen Drahtes“ zwischen dem Kreml in Moskau und dem weißen Haus in Washington im Juni 1963. Dieser stellte eine direkte Fernschreibverbindung dar, die ein effektiveres Krisenmanagement zwischen den beiden Staaten zum Ziel haben sollte. Die Verbindung sollte die Staaten dazu bewegen miteinander zu kommunizieren bevor man Raketen auf sich losschießt und den dritten Weltkrieg vom Zaun bricht.
Eine weitere Folge der Kubakrise war das Phänomen der Stellvertreterkriege. Die USA und die Sowjetunion ließen es nun nicht mehr zu einer direkten Konfrontation zwischen ihnen kommen, sondern unterstützten immer Länder die ihrem Systemanschauungen entsprachen und versuchten das andere System über ein anderes land zu schlagen und zurückzudrängen. Beispiele hierfür sind der Vietnamkrieg und der Konflikt in Afghanistan seit 1980.
Der große Verlierer der Kubakrise waren die Verbündeten der beiden Supermächte. Denn sie hatten keinen Einfluss auf irgendwelche Entscheidungen und wurden teilweise sogar noch belogen. Ein Beispiel hierfür ist das Hintergrundgespräch für Journalisten, welches die USA für seine europäischen Verbündeten organisierte. Obwohl es auch um ihr Bestehen und ihre Interessen ging, wurden die Verbündeten konsequent aus allen Verhandlungen heraus¬gehalten. Bestes Beispiel hierfür ist Fidel Castro. Er ist zwar der Diktator auf Kuba, hatte aber dennoch kein Mitbestimmungsrecht als es um sein Land ging. Er musste wehrlos zusehen wie die Sowjetunion über das Schicksal seines Landes entschied.
Eine weitere Folge war, das die beiden Supermächte ihr Krisenmanagement verbesserten und sich für immer mehr mögliche Fälle Pläne zurecht legten um es ja nicht wieder zu so einer Situation wie der Kubakrise kommen zu lassen. Denn beide Mächte hatten erkannt, dass der positive Ausgang dieser Krise nicht allein vom Krisenmanagement der Staaten abhing, sondern auch eine gewaltige Portion Glück nötig hatte.
Zudem war die Kubakrise aber auch ein Zeichen für die Sowjetunion, dass sie den USA in militärischen Sachen hinterhinken. Aus diesem Grund war das Ende der Kubakrise auch gleichzeitig der Auftakt zu einem 25 Jahre andauernden atomaren Wettrüsten. Dieses entfachte die Sowjetunion, da sie sich nie mehr von den USA unter Druck setzen lassen wollte. Diese Aufrüstung war jedoch von einer einsetzenden Rüstungskontrolle begleitet.
Auf Grund all dieser Folgen stellt die Kubakrise zwar einen Wendepunkt im Kalten Krieg dar, doch ist die Bezeichnung Zeitpunkt der Verlagerung meiner Meinung nach besser treffend. Denn schließlich war der Kalte krieg erst mit der Ära Gorbatschow beendet, weil sich da die beiden Systeme wieder ideologisch annäherten. Zudem verlagerten sich die Konfrontationen zwischen den USA und der Sowjetunion lediglich in friedlichere und für die Supermächte ungefährlichere Bereiche. Solche Bereiche waren zum Beispiel der wirtschaftliche Kampf zwischen Kommunismus und Kapitalismus und die bereits oben er¬wähnten Stellvertreterkrieg in den Staaten der dritten Welt.
Nach der Kubakrise rückte die ideologische Auseinandersetzung der beiden Supermächte weiter in den Hintergrund. Die militärische Überlegenheit gegenüber dem anderen Land war nun das Hauptziel geworden.
Die ideologische Auseinandersetzung erübrigte sich dann auch letztendlich mit dem Zerfall des Ostblocks 1989/1990.
Auswirkungen der Kubakrise auf das nukleare Wettrüsten:
Dadurch, dass die Sowjetunion nach der Krise erkannt hatte, dass sie von den USA indirekt durch ihre militärische Überlegenheit erpresst worden war, begann sie nach der Kubakrise verstärkte Rüstungsanstrengungen. Das Ende der Kubakrise war also gleichzeitig der Auftakt zu einem 25 Jahre dauernden atomaren Rüstungswettstreit. Mit einem Gleichgewicht an atomaren Waffen wollte die Sowjetunion nie mehr unter Druck gesetzt werden können. Dieses Wettrüsten trug auch maßgeblich zum Zusammenbruch der Sowjetunion 1989/1990 bei. Durch die nach der Krise eintretende Entspannungspolitik zwischen den zwei Ländern, war dieses Wettrüsten jedoch von einer Rüstungskontrolle begleitet.
Viele dieser Rüstungskontrollverträge traten zwar nicht in Kraft, stellten aber die Bereitschaft der beiden Länder zu Abrüstungs- und Kontrollverträgen dar. 1972 kam es zum SALT – I – Abkommen (Strategic Arms Limitation Talks). In diesem wurde die Anzahl der Systeme zur Abwehr von ballistischen Flugkörpern, also Raketen, auf 2 Standorte pro Land begrenzt. Weiterhin wurde die Gesamtzahl der strategischen Angriffswaffen begrenzt.
Ein Jahr später, 1973, kommt es zum Abkommen zur Verhinderung eines Atomkrieges. Dieser besagte, dass bei Gefahr eines Atomkrieges Konsultationszwang zwischen den beiden Ländern besteht. Dieser Vertrag war eigentlich die direkte Reaktion auf die Kubakrise. Denn nach dieser war man sich der Gefahr eines dritten atomaren Weltkrieges durchaus bewusst und versucht durch verbessertes Krisenmanagement so etwas zu verhindern. Dieser Vertrag bildete also eine Ergänzung zur Einrichtung des heißen Drahtes zwischen Washington und Moskau.
Der Schwellen- oder Atomteststoppvertrag von 1974 sollte die Sprengkraft von unterirdischen Atomwaffentests auf 150 Megatonnen TNT beschränken. Dies sollte aber nicht für Tests mit friedlichen Zwecken gelten. Das diese Formulierung sehr auslegbar ist, ist klar zu erkennen. Denn was ist zu friedlichen Zwecken und was nicht? Diese Frage mussten sich die beiden Mächte gar nicht erst stellen, da der Vertrag nicht in Kraft trat.
Mit dem Atomteststoppvertrag von 1976 sollte der Schwellenvertrag ergänzt werden. Er sollte auch die Sprengkraft für friedliche Tests begrenzen. Doch auch wie der Schwellenvertrag trat dieser Vertrag nicht in Kraft.
Das SALT – II – Abkommen, welches letztendlich am amerikanischen Kongress scheiterte, sollte die Anzahl von nuklear-strategischen Angriffswaffen für beide Länder begrenzen. Das im Vertrag verankerte SALT –II – Protokoll sollte dann auch noch die Verteilung und Er¬pro¬bung mobiler Interkontinentalraketen und bestimmter Marschflugkörper bis Ende 1981 begrenzt werden. Zudem sollte der Vertrag die Anzahl von offensiven Trägerraketen auf 2250 begrenzen.
Der Abbau der Mittelstreckenraketen, also Raketen mit nuklearen Sprengköpfen, wurde 1987 mit dem INF – Vertrag (Intermediate Nuclear Forces) beschlossen.
Mit dem KSE – Vertrag von 1990 wurde dann auch noch die Anzahl der konventionellen Streitkräfte in Europa reduziert und begrenzt.
Das Gleichgewicht an Atomwaffen, welches die Sowjetunion erreichen wollte, war Ende der 60`er erreicht. Nach dem Erreichen dieses atomaren Gleichgewichtes begann die oben bereits erwähnte Zeit von Abrüstungs- und Rüstungskontrollgesprächen.







