Öttinger, Nazi-Reinwäscher, Verhöhner meiner Familie

Öttinger sagte in seiner Trauerrede für den Altnazi Filbinger nichts Neues. Ich kenne Herrn Öttinger seit 1981, sein Wahlkreis ist auch meiner. Öttinger vertritt ein Gedankengut, welches ich verabscheue und er ist sich bisher immer treu geblieben. Nun ist er einen Schritt weiter gegangen und hat den Nazirichter Filbinger zu einem Gegner und Widerstandskämpfer des faschistischen Hitlerregimes erklärt. Die Stuttgarter-Zeitung schaltet eine Umfrage, wo auf die Frage „Öttinger in der Kritik – zu Recht?“ 69% mit „ja, er ging zu weit“ geantwortet haben. Was bedeutet das mit dem „zu weit gehen“? Es ist die vielfach anzutreffende, klammheimliche Sympathie in Baden-Württemberg mit der Nazizeit, die zu solchen Fragen führt?.
Hier ein Beispiel, welche Botschaften mich bisher erreichten:

SS-Schergen und deren Sympathisanten noch unter uns

Es gab mal ehrliche Männer und Frauen in der CDU, die nach Kriegsende das „Ahlener Programm“ verfassten. Dort heißt es in der Einleitung :
Das kapitalistische Wirtschaftssystem ist den staatlichen und sozialen Lebensinteressen des deutschen Volkes nicht gerecht geworden. Nach dem furchtbaren politischen, wirtschaftlichen und sozialen Zusammenbruch als Folge einer verbrecherischen Machtpolitik kann nur eine Neuordnung von Grund aus erfolgen. Inhalt und Ziel dieser sozialen und wirtschaftlichen Neuordnung kann nicht mehr als das kapitalistische Gewinn- und Machtstreben, sondern nur das Wohlergehen unseres Volkes sein. Durch eine gemeinwirtschaftliche Ordnung soll das deutsche Volk eine Wirtschafts- und Sozialverfassung erhalten, die dem Recht und der Würde des Menschen entspricht, dem geistigen und materiellen Aufbau unseres Volkes dient und den inneren und äußeren Frieden sichert“.

Die CDU, vor allem in Baden-Württemberg, ist hiervon weit abgekommen. Sie betreibt eine Verharmlosung und Rehabilitierung (Kiesinger lässt grüßen) der verbrecherischen Machtpolitik. Jetzt geht die CDU „einen Schritt zu weit“, sie macht aus Nazis Widerstandskämpfer. Als Enkel eines Widerstandskämpfers fühlen meine Familie und ich uns verhöhnt. Mein Großvater, der sich der 300-Mitgliederstarken Widerstandsgruppe ‘Bästlein-Jacob-Abshagen’ anschloss, gehörte zu den wenigen mutigen Menschen, die Fluchtwege nach Skandinavien organisierten. Filbinger gehörte zu den schrecklichen Nazirichtern, die selbst noch zu Kriegsende unter britischer Besatzung Aufgegriffene zum Tode verurteilten. Die Gestapo suchte meinen Grossvater und hat anstelle Seiner meine Grossmutter in Sippenhaft genommen und im April 1945 im KZ-Neuengamme erhängt. Zu diesem Zeitpunkt war das eine reine Zeugenvernichtungsaktion. 1946 brachte die Vereinigung der Naziverfolgten ein Gedenkschild an dem Wohnhaus meiner Grosseltern an. Dieses wurde von den Behörden wieder entfernt. Erst in den späten 80iger Jahren hat man zu Ehren der gemordeten Frauen in Hamburg-Bergedorf Straßen benannt, darunter auch die ‘Helene-Heyckendorf-Kehre’.

Ein Zeitzeuge berichtet (Abschrift):

“Am 20. April 1945 wurden 58 Männer und 13 Frauen ins Konzentrationslager eingeliefert. Die ganze Art und Weise wie diese Zugänge behandelt wurden, liess für die älteren Lagerinsassen keinen Zweifel, dass es sich um Todeskandidaten handelte. Man brachte die Männer in einen isolierten Strafblock, der von 16 SS-Posten bewacht wurde. Die Frauen wurden in den SS-Bunker des Lagers untergebracht.

In der Nacht vom 23. zum 24. April um 1 Uhr geschah nun folgendes:

Die Frauen wurden zum Häftlingsbunker gebracht, aufgefordert sich nackt auszuziehen, dann holte man die erste Frau heraus und im Gang des Häftlingsbunker, wo sich ein langer Balken unterhalb der Decke als Galgen befand, wurde sie erhängt. So holte man nacheinander alle Frauen, die das Schicksal ihrer Vorgängerin erst noch mit ansehen mussten, worauf auch ihnen die Schlinge um den Hals gelegt wurde. Eines der unglücklichen Opfer, die Schauspielerin Mertens gelang es zunächst, sich unter der Holzpritsche, die dem Arrestanten zum Schlafen diente, zu verbergen. Doch wurde sie von einem der vier Henkersknechte, die als entmenschte Berufsverbrecher von der SS zu diesen und anderen Häftlingen hinzugezogen wurden, entdeckt und brutal an den Haaren hervorgezogen.
Die Frau flehte um Erbarmen und bat ihren Henkern auf den Knien um Gnade. Doch sie hätte eher einen Stein zum Erweichen gebracht, als mit ihrem Flehen bis zum Herzen dieser Bestien vorzudringen.
Mit einem hämischen Lächeln trat der SS-Unterscharführer Freimann auf die Frau zu und zertrümmerte mit einem zwanzigpfündigem Stein ihren Kopf zu einer unförmigen Masse, dass Teile des Gehirns und Fleischfetzen in der Zelle herumspritzten. Damit war das traurige Werk beendet. Zwölf der Frauen hingen in einer Reihe entkleidet mit verzerrten Gesichtern am Galgen, die dreizehnte lag grässlich zugerichtet zu ihren Füssen. Man lud die unglücklichen Frauen auf einen Rollwagen und schaffte sie ins Krematorium. Jetzt holte man die ersten zehn Männer aus dem Strafblock in der Absicht, mit ihnen dasselbe durchzuführen. Doch liess man diesen Gedanken fallen, da man den Verdacht hatte, dass sie sich widersetzen werden. Man entschloss sich, sie einzeln zu erschiessen. Bei den ersten zwei gelang es auch, doch der dritte versetzte seinem Mörder, dem SS-Obersturmführer Thumann einen Schlag ins Gesicht, dass dieser gegen die Wand taumelte. Darauf stürmten die feigen Mörder fluchtartig aus dem Bunker und verriegelten das Tor. Jetzt versuchte man durch das Zellenfenster des Bunkers die Männer zusammenzuschiessen, doch die Todgeweihten hatten beschlossen, ihr Leben so teuer wie möglich zu verkaufen und als der erste seine Pistole durchs Fenster schob, erhielt er einen Schlag mit einem aus der Pritsche losgerissenem Brett auf die Hand, dass seine Waffe in die Zelle fiel. Nun liefen vier SS-Blockführer und der Unterscharführer zur Blockführerstube und holten Handgranaten und Maschinenpistolen. Drei bis vier Handgranaten warf man in jede Zelle und die tapferen Antifaschistischen Kämpfer wurde buchstäblich in Stücke gerissen. Die Decken und Wände des Bunkers waren dadurch natürlich teilweise eingestürzt und für drei Tage konnten diese SS-Helden ihr Werk nicht fortsetzten.

Ein politischer Häftling, der die Funtkion eines Badekalfaktors ausübte, wurde von seinem Schlaflager geholt und musste Brot für die Henker und deren Knechte herrichten. Während des Bades rühmten sich diese Bestien ihrer Heldentat und bedauerten, dass sie ihr Werk nicht vollenden konnten. In der folgenden Nacht gingen die Mörder nun mit grösserer Vorsicht ans Werk. Zehn schwerbewaffnete Blockführer gingen unter Führung des Untscharführers Dreimann in den Strafblock und holten 10 Männer in den Häftlingsbunker. Die Liquidierung ging nun am laufenden Band, d.h. jeder einzelne der Opfer wurde mit dem Gesicht an die Rückwand des Bunkers gestellt und zusammengeknallt. Die Henkersknechte schleiften die Toten in eine Zelle und plünderten sie aus. Was irgendwie von Wert war, wie Uhren, Ringe und sonstige Wertgegenstände, nahmen diese Leichenfledderer an sich. Danach nahmen die blutgesudelten vertierten Bestien ein Bad und krönten ihr Werk mit einem Saufgelage, dass sich zu einer wahren Orgie steigerte.

Die Menscheit wird nie begreifen können, dass im Herzen Europas, eine derartige tierische Barbarei entstehen konnte. Menschen, deren einzigstes Verbrechen darin bestand, dass sie keine Nationalsozialisten waren, starben hier einen Tod, so gemein, feige und niederträchtig, dass wir uns erschüttert fragen, wie das möglich war. Eine planmässige und bewusste Erziehung zur Brutalität und Gemeinheit können hier nur die Ursachen sein. Jedes menschliche Empfinden, jede Spur von Mitleid und Gefühl wurde mit Stumpf und Stiehl ausgerottet und übrig blieb nur das Verlangen zu töten und zu quälen.
Für uns Lebenden als ernste Mahnung soll sein, dass wir alles daransetzen um die Verbrechen, die Hitler und die Seinen verschuldeten, ohne das wir imstande waren, die Schmach zu verhindern, Wiedergutmachung an all die Witwen, Waisen und Hinterbliebenen, zu kämpfen für eine bessere Welt”.
Josef Händler

Öttingers Versuch, das Leben und Wirken meiner Großeltern im Widerstand mit dem Handeln von Filbinger gleichzusetzen, ist eine Verhöhnung und unerträglich.
Ein Ministerpräsident dieser Sorte ist unerträglich.

In liebevollem Gedenken und in ihrem Vermächtnis:

Ermordung April 1945 im KZ-Neuengamme, Täter wurden nicht zur Verantwortung gezogen

Ermordung April 1945 im KZ-Neuengamme, Täter wurden nicht zur Verantwortung gezogen

Zeitzeuge zur Ermorderung von Widerstandskämpfer, meine Grossmutter

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